Am Round Table Gebäudetechnik 2026 von Gebäudeklima Schweiz standen erneuerbare Wärme und neue Vorschriften im Fokus: von den MuKEn 2025 über das revidierte EU-Ökodesign bis zu bivalenten Wärmepumpenanlagen und HVO als erneuerbarem Ersatz für Heizöl.
Redaktionelle Bearbeitung: Phase5
Evergreens und Innovationen geben sich am alljährlichen Round-Table des Fachvereinigung «Gebäudeklima Schweiz» die Hand, wobei man bei beiden Klassen von Vorträgen genau hinhören muss – Evergreens werden mit Neuentwicklungen aktualisiert und Innovationen basieren nicht selten auf etablierten Technologien – einfach ein wenig anders.
Olivier Brenner, stellvertretender Generalsekretär der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (EnDK), zeigte auf, wie der Gebäudepark zum Energiehub wird. Der Fahrplan dazu heisst «MuKEn 2025» (Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich). Bis 2050 soll die fossile Wärme von heute 47 TWh vollständig verschwinden, während die Eigenstromerzeugung von 2,6 auf 34 TWh steigen muss. Beim Heizungsersatz stellen inzwischen 25 Kantone Anforderungen an den Anteil erneuerbarer Wärme, allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmass. Ambitiöse Kantone wie Zürich, Waadt und Uri erlangen schon heute 100% erneuerbare Wärme bei Wohn- und Zweckbauten bzw. 100% erneuerbare Wärme bei Wohnbauten (Kantone Glarus & Neuchâtel). Andere Kantone wie beispielsweise Freiburg, Thurgau oder Schaffhausen befinden sich im Übergangsstadium zu einer Verschärfung beim Wärmeerzeugerersatz, während für eine relative Mehrheit noch die milde Variante von MuKEn 14 weiterhin Gültigkeit hat (10% erneuerbare Wärme sicherstellen).
MuKEn 2025 fordert eine minimale Eigenstromerzeugung bei Neubauten – hierzu konstatiert Brenner ein ebenso gemischtes Bild der Umsetzung.
Bemerkenswert für die Branche: Ab 2028 soll ein gemeinsames Fördermodell von Bund und Kantonen greifen, welches das heutige Gebäudeprogramm ablöst, die Vernehmlassung dazu startet im vierten Quartal 2026.
Ökodesign der EU
Barbara Guder von der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV) informierte über die geplante Revision der EU-Ökodesign- und Energieetikettenverordnungen für Raumheizgeräte und Warmwasserbereiter, deren Annahme für Ende 2026 oder Anfang 2027 vorgesehen ist. Neben einer neuen Effizienzskala von A bis G bringen sie strengere Anforderungen an Reparierbarkeit, Schall und Kältemittel, eine Drittstellenprüfung sowie zusätzliche Produktdaten für den Digitalen Produktpass. Hersteller der vorhin genannten Geräte dürfen auf der Basis der bereits initialisierten EPREL-Datenbank die Datenbasis laufend erweitern.
Über die neuen Regelungen zu Kältemitteln informierte Loic Schmidely vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) und verwies auf die jüngsten Publikationen in unseren Fachtiteln «Phase5» und «Domotech».
Grund- und Spitzenlast bei älteren Gebäuden
Stefan Jäschke von der Envenion GmbH wies darauf hin, dass Öl und Gas noch immer knapp 40 Prozent der Wärme für Raumheizung und Warmwasser in Haushalten und Dienstleistungsgebäuden liefern und dass gerade ältere, grössere Gebäude hohe Leistungsspitzen und Vorlauftemperaturen von oft über 50 °C aufweisen, was die erneuerbare Wärmeversorgung an kalten Tagen anspruchsvoll macht. Als Lösung für Anlagen über 100 kW empfahl er bivalente Systeme: Eine Wärmepumpe für die Grundlast, ausgelegt auf rund 60 Prozent der Heizleistung, deckt bereits etwa 90 Prozent des Jahreswärmebedarfs, arbeitet effizienter und erhöht die Betriebs- und Versorgungssicherheit. Die MuKEn 2025 erlauben zwar fossile Spitzenlastkessel, begrenzen deren Anteil aber auf 10 Prozent, womit sie sich in der Regel kaum noch rechnen, während erneuerbare Brennstoffe wie Wasserstoff derzeit noch teuer und zu knapp sind.
Erneuerbares Heizöl?
Bernhard Wüest von Avenergy Suisse und Dominic Strübin von Biofuels Schweiz stellten HVO (hydriertes Pflanzenöl) als erneuerbaren Ersatz für Heizöl vor: Der aus Pflanzenölen und Abfallfetten hergestellte, aromatenfreie Brennstoff kann fossiles Heizöl in den meisten Anwendungen eins zu eins ersetzen, senkt die Treibhausgasemissionen um rund 90 Prozent und ist seit April 2025 in der Schweiz auch zolltechnisch als Brennstoff zugelassen. Feldtests in ganz Europa bestätigen die Eignung, wobei HVO sogar Vorteile bei Kälteverhalten, Lagerstabilität sowie Russ- und NOx-Werten bietet und nur wenige Anpassungen an der Infrastruktur erfordert. Voraussetzung ist gemäss Umweltschutzgesetz, dass die Rohstoffe nicht mit Nahrungs- oder Futtermitteln konkurrieren; die Produktionskapazitäten werden derzeit ausgebaut, und der Preis liegt teilweise nur wenig über jenem von fossilem Diesel.
e-Recycling und Smart Grid Ready
Zur Branchenlösung e-Recycling für die Gebäudetechnik werden wir uns zu einem späteren Zeitpunkt äussern, ebenso zu «Smart Grid Ready». Hier geht es insbesondere um die Frage, wie die flexible Ausgestaltung von Energiemanagementsystemen in Gebäuden das Stromnetz und das Gesamtenergiesystem entlasten können.
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Textquelle: Gebäudeklima Schweiz
Bildquelle: Gebäudeklima Schweiz
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
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