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Das Produkt als offenes Buch

Zoe-Möbelserie
Bei der Zoe-Möbelserie verfügt der Bademöbelhersteller Loosli über gut strukturierte Stammdaten-Basis; perfekt geeignet für die Ausstellung eines Digitalen Produktepasses (als Test). (Foto: Loosli AG)

Die Europäische Union gibt den Takt vor, wenn es um das Erstellen und Betreiben offener Datenbanken zu Produkten und deren Eigenschaften geht. Neu ist der so genannte Digitale Produktpass (DPP) – ein Hebel für mehr Kreislaufwirtschaft. Die Gebäudetechnik-Branche hat bereits Erfahrungen mit Offenlegungspflichten in einer bestehenden Datenbank gesammelt.


Text: Manuel Fischer


Man stelle sich Folgendes vor: Eine Immobilienfirma bewirtschaftet mehrere Wohnungen für ausländische Fachkräfte, die sich temporär in der Schweiz aufhalten. Die Bademöbel sind nicht von den Mietenden ausgewählt und eingebaut, sondern vom Immobilienbewirtschafter zur Verfügung gestellt worden. Ein sanfter Umbau der Badezimmer steht vor der Tür. Es stellt sich heraus, dass in der Tendenz mehr Singles in die Schweiz als Fachkräfte entsendet werden als junge Familien.

Ausserdem verfügt die Firma über einen grossen Wohnungsbestand und weiss, wo sich geeignete Bademöbel befinden, die sich leicht für neue Zwecke anpassen lassen. Auch über die Materialqualität der einzelnen Bestandteile wie Armaturen, Waschtische, Anschlagswinkel und über zahlreiche Ersatzteile und deren Eigenschaften weiss die Firma genau Bescheid – dank eines langfristig aufzubewahrenden Datensatzes, der darüber hinaus öffentlich zugänglich ist.

Bestehende Bademöbel können mit wenigen Handgriffen auf die neue Aufgabe montiert und vorbereitet werden. Der Möbelhersteller leiht dem Kunden – in unserem Fall der Immobilienbetreiber – das Möbel aus und nimmt es im Reparaturfall wieder zurück. Seltsames Geschäftsmodell? Ja, aber so muss man sich «Product-as-a-service» vorstellen – das herstellende Unternehmen bleibt Produkt-Eigentümer – und der frühzeitige Gang zur Deponie wird so verhindert.

Verpflichtend für zahlreiche Produkte

Das neue Instrument oder geradezu der Schlüssel, welches den Zugang in die Welt des Kreislauf-Wirtschaftens ermöglicht, hat einen Namen: der digitale Produktpass (DPP). Der DPP ist ein Datensatz, der die Komponenten, Materialien, Inhaltsstoffe oder auch Informationen zur Reparierbarkeit, zu Ersatzteilen oder zur fachgerechten Entsorgung eines Produkts enthält.

Wer hats erfunden? Die Europäische Union. Die am 18. Juli 2024 in Kraft getretene Ökodesign-Verordnung (EU) 2024/1781 (auch Ecodesign for Sustainable Products Regulation, ESPR) schreibt die DPP als verpflichtendes Element für zahlreiche Produktgruppen vor. Je nach Produktgruppe werden die Inhalte, welche eine DPP umfassen soll, in so genannten delegierten Rechtsakten weiter ausdetailliert.

Die Europäische Kommission veröffentlichte einen ersten Arbeitsplan 2025-2030 für nachhaltige Produkte, in dem sie Kriterien für die Priorisierung von Produktgruppen aufstellte. Dabei stellte sich heraus, dass einige Produktkategorien ein hohes Potenzial zur Verbesserung und Verlängerung der Produktlebensdauer zur Recyclingfähigkeit oder zur besseren Ressourcennutzung aufweisen, darunter Textilien, Möbel und Reifen.

Um bei den Möbeln zu bleiben: Für diese Produktkategorie wurden Ökodesign-Anforderungen mit dem Zeithorizont 2028 formuliert; dazu gehört auch die Einführung eines DPP.

Energieverbrauchsrelevante Produkte

Die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) ist unmittelbar geltendes Recht der EU . Die ESPR regelt künftig auch so genannte «energieverbrauchsrelevante Produkte» direkt, die bislang in der früheren Ökodesign-Richtlinie (definierte Zielvorgabe mit Spielraum für die nationale Umsetzung) geregelt waren.

Die Branchenorganisation «Gebäudeklima Schweiz» informierte am «Round Table» vom letzten Herbst in Aarau ebenfalls zum neuen EU-Regelwerk, das Konturen annimmt und früher oder später auch die Schweiz betreffen wird. In der Branche besteht Unsicherheit, wie 19 (von insgesamt 35) Produkten dieser Gruppierung künftig geregelt werden sollen. Denn hier handelt es sich um typische Geräte aus der Gebäude- und Energietechnik wie etwa Photovoltaik-Module, Raum- und Kombiheizgeräte, Warmwasserbereiter, Festbrennstoffkessel, Komfortventilatoren, Umwälzpumpen, aber auch Staubsauger und Kochgeräte.

 

Automatisierte Eingabe von Produktinformationen
Mit der schrittweisen Einführung des Digitalen Produktpass für zahlreiche Produktgruppen positionieren sich zahlreiche Software-Firmen in der EU für die automatisierte Eingabe von Produktinformationen. (Foto: smart-TEC GmbH & Co. KG)

 

Die bereits existierende Datenbank

Was die Branche umtreibt: Schon aktuell verpflichtet die EU die Hersteller, Produktdatenblätter und Energielabels zu jedem Produktmodell (der Gebäudetechnik) in einer öffentlich zugänglichen Datenbank zu hinterlegen – die so genannte EPREL (European Product Registry for Energy Labelling). Die EPREL-Datenbank dient dazu, Transparenz über die Energie- und Umweltleistung von Produkten in der EU zu schaffen. Hersteller und Importeure sind verpflichtet, ihre Geräte in der EPREL zu registrieren. Konsumenten erfahren so Informationen z.B. über den Stromverbrauch, über die Energieeffizienzklasse des Geräts oder zu den technischen Kerndaten des Geräts. Überdies haben Marktüberwachungsbehörden Zugriff auf spezifische, nicht öffentliche Produktdokumentationen.

Die Energielabels mit den farbigen Balken basieren auf den jeweiligen EU-Produktlabel-Verordnungen (die Labels sind auch in der EPREL abgelegt). «Warum jetzt noch der DPP, wenn es die EPREL schon gibt?», war die berechtigte Frage am Round-Table. Zu Gast waren Uwe Rüdel, Branchenleiter Technische Industrien, bei der Standardisierungsorganisation GS1 sowie Barbara Guder, Expertin bei der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV). Beide beschwichtigten: «Die Hersteller werden ihre Produktdaten nicht nochmals in einer zweiten Datenbank ablegen, sondern nur um weitere Produktdaten ergänzen müssen» – zumindest gelte dies für die Produktgruppen, die schon unter der «alten» Ökodesign-Richtlinie (EU/2009/125) reguliert und deren Daten bereits in der EPREL abgelegt worden sind.

Laut einem internen Schreiben der EU-Kommission wird die EPREL als «alternatives digitales System mit gleichwertigen Informationen» anerkannt. Die jüngst von der EU publizierten Entwürfe für 4 Produktgruppen-Verordnungen für Warmwasserbereiter und für Raum- und Kombiheizgeräte (Produktanforderungen und Labelling) verzichten auf die Einführung eines zusätzlichen Produktpasssystems  – im Wissen, dass es die gleichwertige Datenbank (EPREL) schon gibt. Die neuen Verordnungen sollen ab dem 1. Januar 2027 gelten, dem Stichtag ab dem auch die übergeordnete neue Ökodesign-Verordnung (EU) 2024/1781 für diese beiden Produktgruppen gilt.

Erfahrung eines Bademöbel-Herstellers

Doch nochmals zum DPP. Nicht wenige Unternehmen aus anderen Branchen sehen sich für sie neuen, sehr detaillierten, Offenlegungs-Pflichten gegenüber. Und so kommen wir wieder zurück zu unserem Beispiel des Möbelherstellers. Die Loosli-Badmöbel AG hat kürzlich auf freiwilliger Basis und als Test einen DPP erstellt und an einem Treffen der GS1-Fachgruppe «Nachhaltige Stammdaten für Bauprodukte» ihre Erfahrungen präsentiert. Die Vermutung: Der DPP zwingt die Unternehmen, ihren Datenhaushalt in Ordnung zu bringen.

Dazu Angela Meuter, Projektleiterin Stammdaten bei Loosli: «Obwohl die Identifizierung und Zusammenführung der internen Datensilos ein wichtiger Teil des Projekts war, konnte Loosli auf eine bereits gut strukturierte Stammdatenbasis zurückgreifen – eine Voraussetzung, die ohnehin nötig war, um in der Produktion durchgängige Prozesse sicherzustellen. Die grösste Herausforderung zeigte sich weniger in den eigenen Systemen als vielmehr in der Frage, wie die Daten der zahlreichen Lieferanten konsistent, vollständig und in verwertbarer Form ins Unternehmen gelangen.» Während ERP, CAD und Materialstammdaten intern gut gepflegt sind, erfordert die Integration externer Informationen deutlich mehr Abstimmung und Standardisierung.

Strategische Chance

Nochmals Angela Meuter von der Loosli Badmöbel AG: «Wir sehen im DPP nicht nur eine regulatorische Pflicht, sondern eine strategische Chance. Die erhöhte Transparenz über Materialien und Lebenszyklen eröffnet Perspektiven für neue Geschäftsmodelle wie Product-as-a-Service, bei dem Möbel zeitweise genutzt oder mit Servicepaketen ergänzt werden können. Ebenso erleichtert der DPP Rücknahme- und Buy-back-Programme, da Zustand und Materialzusammensetzung klar dokumentiert sind.»

Auch Meier-Tobler ist in derselben Arbeitsgruppe dabei. Gemäss Mediensprecherin Martina Högger sei ein verstärkter Einstieg in die Kreislaufwirtschaft künftig durchaus interessant für die Branche und zwar «im Hinblick auf den Rückkauf von alten Geräten und den Re-Use von einzelnen Komponenten oder die Extrahierung von seltenen Metallen».

 

Bademöbel im DPP-Test – Learnings

Loosli hat den Digital Product Passport zunächst für eine klar abgegrenzte Produktgruppe getestet: Die Badezimmermöbel-Linie ZOE. Diese eignen sich besonders gut, da diese beispielsweise eine Ökobilanzierung aufweise, so die Projektleiterin Stammdaten bei Loosli.

Die wichtigsten Erfahrungen aus diesem Pilotprojekt:

  • Machbarkeit und Aufwand: Loosli konnte einen ersten Eindruck gewinnen, wie viel interner Aufwand nötig ist, um einen DPP zu erstellen von der Datensammlung über die Strukturierung bis zur finalen Aufbereitung.
  • Datenqualität sichtbar gemacht: Der Test zeigte, wo Daten bereits gut gepflegt sind und wo Lücken bestehen. Besonders wertvoll war die Erkenntnis, welche Informationen künftig systematischer erfasst werden müssen bzw. von extern eingeholt werden müssen.
  • Material- und Lieferketten-Transparenz: Durch die DPP-Erstellung wurde deutlich, wie wichtig eine saubere Dokumentation der Materialherkunft und zusammensetzung ist und wie stark dies die Glaubwürdigkeit gegenüber Kundinnen, Partnern und Behörden stärkt.
  • Interne Sensibilisierung: Der Pilot wirkte als Türöffner wir erhielten ein gemeinsames Verständnis dafür, was ein DPP bedeutet und welchen Nutzen er langfristig bringen könnte, aber auch die Herausforderung wie wir die fehlenden Daten aller Lieferanten in unser System bringen. Es liegt noch einiges vor uns um den DPP automatisch erstellen zu können gerade in einer individuellen Fertigung wo jedes Möbel anders ist.
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Impressum

Text: Manuel Fischer

Bildquelle: Angaben im Text

Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5

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Veröffentlicht am: 20.04.2026

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