Die heutzutage erforderliche Cloud-Konnektivität transformiert klassische Branddetektion in proaktive, intelligente und vernetzte Sicherheitslösungen. Ein IoT-vernetztes Portfolio neuester Geräte ermöglicht 24/7-Selbstchecks, Echtzeitüberwachung, Ferndiagnosen und vorausschauende Wartung. In der Brandmeldetechnologie steckt übrigens sehr viel schweizerische Innovationskraft, die bis in die 1940er-Jahre zurückreicht.
Text: Manuel Fischer; Red. Bearbeitung: Phase5
Auch die klassische Branderkennung ist dem technologischen Fortschritt unterworfen. Das zeigt die Lancierung einer von Siemens entwickelten neuen Brandmelder-Generation – notabene ein Produkt mit Swissness-Appeal. Die im März dieses Jahres von Siemens Smart Infrastructure vorgestellten neuen Brandmelder Sinteso Nova und Cerberus Nova sind im schweizerischen Zug entwickelt worden.
Siemens sieht im neuen Portfolio den Schritt vom klassischen Brandschutz in einen proaktiven, intelligenten und vernetzten Ansatz, der den Weg zu autonomen Gebäuden ermöglicht. Das neue Angebot soll die Betriebssicherheit erhöhen, die Effizienz von Service- und Wartungsteams verbessern und es erleichtern, bestehende Systeme zu modernisieren. Gleichzeitig ermöglicht die Cloud-Konnektivität datenbasierte digitale Services.
Vom Zigarettenrauch zum reifen Produkt
Blick zurück: Die Brandmeldetechnik hat in der Schweiz bereits eine respektable Tradition und lässt sich bis in die 1940er-Jahre zurückverfolgen. Walter Jäger (1912-2005), ein ETH-Physiker, veröffentlichte einen Beitrag in einem Schweizer Fachmagazin unter dem Titel «Die Isolationskammer als Feuermelder.» Ursprünglich wollte der ETH-Physiker Ionisationskammern entwickeln, die Giftgase erkennen konnten.
Zu diesem Thema hatte Jaeger bereits ab Mitte der 1930er-Jahre in seinem Elternhaus in Maienfeld geforscht, ein privates Testlabor eingerichtet und erste Prototypen entwickelt. Anfänglich jedoch erfolglos, denn die Geräte reagierten kaum auf die Gase. Der Legende nach war es Zigarettenrauch – Jaeger war starker Raucher – der den entscheidenden Hinweis lieferte: Das Ionisationsprinzip reagierte auf Rauchpartikel wesentlich zuverlässiger als auf toxische Gase. Seine deutschen Patentanmeldungen vom 2. Dezember 1936 «Einrichtung zur Anzeige von Veränderungen eines Gases oder Gasgemisches» und vom 9. Juni 1937 «Feuer- und Rauchmelder» legten den technischen Grundstein für die moderne automatische Brandfrüherkennung. Aus einem Zufall wurde eine Idee und aus der Idee wurde ein Produkt, das eine ganze Branche verändern sollte.
Mit Studienfreund Erst Meili gründete Jaeger ein kleines Unternehmen, das seinen Firmensitz 1941 im ehemaligen Hotel Bristol in Bad Ragaz eingerichtet hatte. Das Startup kämpfte zu Beginn mit finanziellen Engpässen: die Entwicklung war teuer, der Markt noch unbekannt. Den finanziellen Befreiungsschlag gelang ab dem Jahr 1944 mit dem Einstieg der Elektrowatt AG, die dem jungen Unternehmen genügend Kapital und Stabilität verschaffte.
Frühe Kontakte mit Siemens
Berührungspunkte von Cerberus mit der Firma Siemens gab es bereits sehr früh. Am 13. Dezember 1949 wurde ein Vertretungsvertrag unterzeichnet, welcher der Siemens & Halske AG das exklusive Vertriebsrecht für die Cerberus-Ionisationsbrandmelder in Deutschland einräumte. Aus dieser ersten Vereinbarung entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die sich als sehr fruchtbar erwies: Siemens brachte sein internationales Vertriebsnetz und seine Marktstärke ein, während Cerberus die innovative Technologie der Brandfrüherkennung beisteuerte.
Siemens hat Sinn für Unternehmensgeschichte und zeigte anlässlich eines internationalen Fachpresse-Meetings im März an ihrem Sitz in Zug gleich mehrere Generationen von Brandmeldern. Die früheren Geräte basierten auf dem Ionisationsprinzip: Ionisationsmelder bestehen aus einer Kammer, deren Luft mit einer radioaktiven Substanz (meist Americium-241) ionisiert wird. Rauchpartikel bremsen die Ionen ab, was sich als Spannungsänderung bemerkbar macht.
1969 kam der weltweit erste optische Streulicht-Brandmelder zum Einsatz. Ein im Melder verbauter Mikroprozessor erlaubt die Auswertung von Streulicht und Temperatur mit dazu entwickelten Algorithmen.
Technologien – Stand heute
Siemens argumentiert anhand von Branchenbeispielen, wie die Brandmelder der neuesten Generation einen zukunftsweisenden Ansatz im Brandschutz zum Durchbruch verhelfen. So ermöglichen sie beispielsweise in Krankenhäusern eine kontinuierliche, autonome Detektion – im Dienste der Patientensicherheit und eines effizienten Betriebs. Die Geräte führen rund um die Uhr Selbst-Checks durch und reduzieren so mögliche Systemausfallzeiten. Zudem wird die Raucheintrittsöffnung in Echtzeit überwacht. Überdies erlaubt eine spezielle Technologie – eine Kombination aus Mehrwellenlängen-Sensorik in Kombination mit dualer thermischer Detektion – die Minimierung von Fehlalarmen.
Siemens betont die Kompabilität der neuesten Generation von Brandmeldern mit bestehenden Brandmeldezentralen; ein vollständiger Austausch bestehender Anlagen ist nicht nötig. Ganz nach dem Plug-and-Play-Prinzip können die Geräte – einschliesslich der automatischen Übernahme konfigurierter Einstellungen – in bestehende Brandmeldesysteme integriert werden.
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Rundgang durch die Produktion der Brandmelder am Standort Zug. Made-in-Switzerland lohnt sich bei höchst automatisierten Produktionsprozessen. -
Noch keine "dark factory" - es ist erstaunlich hell in der Produktionshalle. -
Wenige Handgriffe sind zumindest bei logistischen Prozesschritten dennoch nötig.
Impressum
Text: Manuel Fischer
Bildquelle: zVg
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
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