Der Pariser Brunnen an der Zürcher Bahnhofstrasse ist mehr als ein beliebtes Fotomotiv: Er erinnert an eine Zeit, in der sauberes Trinkwasser längst nicht für alle selbstverständlich war – und steht zugleich für die internationale Zusammenarbeit in Fragen der Wasserversorgung – in der Vergangenheit wie in der Zukunft.


Aufgezeichnet von: Manuel Fischer; Red.Bearbeitung: Phase5


Ein monatelang trockener und heisser Sommer: Und nun ist Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern wird zum öffentlichen Thema. Zwei nationalen Fachverbände für die Wasserwirtschaft, der SVGW (Fachverband für Wasser, Gas und Wärme) und der VSA (Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute) luden deshalb Medienvertreter an einen zentralen Ort in der Nähe des Hauptbahnhofs, um dringliche Aspekte des Trinkwassersystems zu erörtern – in Fussdistanz zum gusseisernen, mit Skulpturen geschmückten so genannten Pariser Brunnen an der Bahnhofstrasse. Für Michael Meier, Direktor des SVGW, steht das Objekt sinnbildlich für die Gewährleistung einer sicheren und unentgeltlichen Wasserversorgung für die breite Allgemeinheit.

Seine Geschichte beginnt in Paris. Zwischen 1860 und 1870 hatten viele Menschen dort keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Der wohlhabende Engländer und Philanthrop Richard Wallace wollte das ändern. Seine Idee war, öffentliche Brunnen aufzustellen, an denen die Bevölkerung kostenlos Trinkwasser beziehen konnte. Die Brunnen werden auch Wallace Fountains genannt. In Paris standen einst mehr als 90 davon; heute sind noch 66 erhalten. Sie gehören zum Stadtbild und gelten als Wahrzeichen der französischen Hauptstadt. Wer Paris besucht, begegnet ihnen an verschiedenen Orten der Stadt.

Nur wenige dieser Brunnen stehen ausserhalb von Paris. Einer befindet sich in New Orleans, weitere in Kanada und Südafrika – und einer mitten in Zürich. Er wurde 1982 als Zeichen der Verbundenheit von Wasser- und Abwasserversorgern aufgestellt. Anlass war ein internationaler Kongress, an dem Fachleute aus verschiedenen Ländern zusammenkamen, um sich über wichtige Fragen der Wasserwirtschaft auszutauschen. Der Brunnen wurde dafür eigens aus Paris hergebracht und an der Bahnhofstrasse aufgebaut. Internationale Treffen dieser Art haben Tradition: Fachleute kommen bis heute jedes Jahr an wechselnden Orten zusammen, um zentrale Themen rund ums Wasser zu diskutieren.

Vier Tugenden rund ums Trinkwasser

Auch die Gestaltung des Brunnens erzählt eine Geschichte. Seine Kuppel wird von vier weiblichen Figuren getragen, sogenannten Karyatiden, wie sie auch aus der griechischen Architektur bekannt sind. Sie tragen Dächer, Kuppeln oder andere Bauteile und verkörpern hier vier Tugenden: Einfachheit, Güte, Nüchternheit und Nächstenliebe. Gerade die Nüchternheit passt zu einem Trinkwasserbrunnen – wer Wasser trinkt, bleibt nüchtern. Die Nächstenliebe wiederum verweist auf die Idee, allen Menschen kostenlos Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen.

Der Brunnen wird von der Bevölkerung geschätzt, und er erfüllt seine ursprüngliche Aufgabe bis heute: Er spendet Zürcher Trinkwasser. Wer eine Flasche dabeihat, kann sie direkt am Brunnen auffüllen. Damit ist er nicht nur ein historisches Denkmal, sondern auch eine weiterhin nutzbare öffentliche Trinkwasserstelle.

 

Eines der 66 ursprünglichen Wallace-Brunnen in Paris. (Quelle: Wikipedia)

Detailgetreuer Nachguss

2014 ereignete sich jedoch ein Unglück: Ein Fahrzeug fuhr den Brunnen um. Er wurde so schwer beschädigt, dass er nicht mehr repariert werden konnte. Für Zürich war der Verlust mehr als ein Schaden an einem schönen Bauwerk. Der Brunnen hatte einen besonderen symbolischen Wert, und die Stadt wollte ihn erhalten. Deshalb suchte man nach einer Möglichkeit, ihn wieder aufzubauen.

Eine Giesserei in St. Gallen nahm sich der Aufgabe an und konnte die originalen Gussformen aus Paris beschaffen. Damit wurde ein neuer Brunnen gegossen. Das heutige Exemplar ist also nicht das Original, sondern ein detailgetreuer Neuguss. 2015 wurde es wieder eingeweiht und steht seither erneut an der Bahnhofstrasse. Der Brunnen ist damit zurückgekehrt – zur Freude der Bevölkerung und der vielen Touristinnen und Touristen, die ihn fotografieren.

Der Pariser Brunnen verbindet eine soziale Idee aus dem 19. Jahrhundert mit der Geschichte der Zürcher Wasserversorgung. Er spendet nach wie vor Trinkwasser, erinnert an die Bedeutung des freien Zugangs zu sauberem Wasser und ist ein sichtbares Zeichen für den Austausch zwischen den Fachleuten, die unsere Wasser- und Abwasserversorgung sichern.

Kongress in Zürich

Vom 20. bis 22. Oktober 2026 wird Zürich erneut zum Treffpunkt der europäischen Wasserwirtschaft. ° SVGW und VSA empfangen am Mittwoch, den 21. Oktober 2026, die Mitglieder des europäischen Dachverbands der Trinkwasser- und Abwasserwirtschaft EurEau zum «Swiss EurEau Water Summit».

Hier geht's zu weiteren Informationen zum Swiss EurEau Water Summit und zur Generalversammlung von EurEau

 

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