Klimakälteanlagen in Gebäuden stehen angesichts steigender Aussentemperaturen vor neuen Herausforderungen. Die SIA-Norm 384/4:2025 schafft erstmals ein eigenständiges Regelwerk für diesen Bereich in der Schweiz.
Text: Michael Kriegers*; Red. Bearbeitung: Phase5
Bisher sind Kältethemen in der SIA 382/1 «Lüftungs- und Klimaanlagen» ansatzweise enthalten gewesen. Mit dem Klimawandel wächst der Kühlbedarf in Gebäuden erheblich, und europäische Effizienzanforderungen haben sich weiterentwickelt: Die EU schreibt heute den SEER (Seasonal Energy Efficiency Ratio) als Bewertungsmassstab für Kälteanlagen vor. Die bisherige Methodik mit EER, EER+ und ESEER war nicht mehr kompatibel. Zudem fehlte ein konsistentes Regelwerk analog zur SIA 384/1 (Heizungsseite), das Kältesysteme von der Erzeugung bis zum Verbraucher ganzheitlich behandelt.
Wie ist die Norm aufgebaut?
Die SIA 384/4 gliedert sich entlang des gesamten Kältesystems: von der Systemwahl über Kälteerzeugung, Hydraulik, Regelung und Messung bis hin zu Inbetriebnahme, Abnahme, Betrieb und Instandhaltung. Im Gegensatz zur Vorgängerversion (SIA 382/1:2014) führt die neue Norm ein einheitliches Begriffssystem ein – von der «Kälte- Wärme-Maschine» über «natürliche Kühlung» bis zu klar definierten Anlagenteilen und Temperaturniveaus. Ergänzt wird sie durch Anhänge mit Hilfsmitteln für Speicherdimensionierung, Rückkühlerauslegung und Raumbedarf.
Die wesentlichen Bestimmungen
Kernstück ist die Effizienzbeurteilung nach SEER. Die Norm unterscheidet SEERli (EU-Grenzwert), SEER0 (Schweizer Basiswert) und SEERsys (anlagenspezifischer Wert). Letzterer wird aus dem SEER0 unter Einbezug von Standort, Kältemittel und Teillastverhalten berechnet – und darf den SEERli nie unterschreiten. Zentral ist die Systemwahl nach Kaltwassertemperatur: Die Norm schreibt vor, dass das höchstmögliche Temperaturniveau zu wählen ist. Je höher die Kaltwassertemperatur, desto effizienter die Kältemaschine (vgl. Schema unten). Auch Split-Klimageräte mit herkömmlichen Kältemitteln werden von der neuen Norm SIA 384/4 erfasst.
Neu geregelt ist die Wärmenutzungspflicht: Abfallende Wärme muss primär genutzt werden. Erst wenn weder direkte Nutzung noch Speicherung möglich ist, ist die Abfuhr über einen Rückkühler zulässig. Schliesslich definiert die Norm verbindliche Nahtstellen zwischen Maschinenlieferat und Gebäudeautomation.
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Konstante Temperaturen sind im Spital unverzichtbar - für Patientinnen und Patienten ebenso wie fürs Personal. Dafür kann eine Standard-Kältemaschine genügen - unter gewissen Voraussetzungen. (Foto: CTA AG) -
Die SIA 384/4 verwendet konsequent den Begriff Kälte-Wärme-Maschine, da die Wärmeaufnahme und Wärmeabgabe immer gleichzeitig geschieht, unabhängig von der bevorzugten Nutzungsart. (Grafik: SIA 384/4)
Fazit
Aktuell beziehen sich die kantonalen Energiegesetze mehrheitlich auf die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn), d. h. für die Kälteerzeugungsanlagen indirekt auf die SIA 382/1:2014. In diesem Zusammenhang zu erwähnen: Die Beurteilung nach SEER weicht in der Methodik deutlich von den Vorgängerversionen ab. Mit den neuen MuKEn 2025 werden neue Energienachweisdokumente zur Verfügung gestellt und es wird als Hilfsmittel ein Excel-basiertes Berechnungstool geben. Deshalb wird die Beurteilung nach SIA 384/4 ab sofort möglich und sinnvoll. * Michael Kriegers ist Mitglied der Geschäfts- leitung bei Meierhans + Partner AG Konstante Temperaturen sind im Spital unverzichtbar – für Patientinnen und Patienten ebenso wie für das Personal. Dafür genügt unter den richtigen Voraussetzungen sogar eine Standard-Kältemaschine.
*Michael Kriegers ist Mitglied der Geschäftsleitung bei Meierhans + Partner AG
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Textquelle: Michael Kriegers
Bildquellen: KI-generiertes Bild & CTA AG
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
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