Die Metrohm AG, ein Hersteller hochpräziser Instrumente für die chemische Analytik setzt auf Swiss-Made-Qualitätsversprechen und hat kürzlich die Produktionsstätte in Herisau erweitert. Da passte es, dass ein führendes Unternehmen für Gebäudetechnik-Installationen aus der Region die Anlagen für die Gewerke Heizung/Kälte sowie Lüftung erstellte.
Text: Manuel Fischer*
Photos: Michael Huwiler
Die Metrohm AG wurde 1943 von Ingenieur Bertold Suhner in Herisau gegründet und ist inzwischen ein weltweit führendes Unternehmen für die Herstellung von Hochpräzisionsinstrumenten für die chemische Analytik.
Das Produktportfolio der Metrohm AG umfasst Systeme für Titration, Ionenchromatographie, Nahinfrarot- und Raman-Spektroskopie, elektrochemische Messungen sowie Prozessanalytik, die in Branchen wie Pharma, Lebensmittel, Chemie, Energie und Umweltanalytik eingesetzt werden.
Erweiterte Produktion in Herisau
Metrohm hat sich zu einem global agierenden Unternehmen entwickelt und ist in mehr als 80 Ländern mit eigenen Tochtergesellschaften oder exklusiven Vertriebspartnern präsent.
Trotz ihrer internationalen Ausrichtung bleibt das Unternehmen dem Standort Herisau treu. Mit dem neuen Erweiterungsbau schafft die Metrohm AG nicht nur Raum für modernste Technologien, sondern auch für die Zukunft: In den nächsten zehn Jahren sollen in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Produktion neue Arbeitsplätze entstehen. Mit dem neuen Produktionsgebäude setzt die Metrohm AG Massstäbe: Auf fünf Ebenen bietet es Raum für erweiterte Produktionsflächen, die Fertigung, mechanische Werkstätten und Labore. Für die Ausführung der lüftungstechnischen Anlagen als auch für die Heizungs- und Kältetechnik wurde die Hälg-Gruppe beauftragt.
Gestapelte Lüftungszentrale
Die Lüftungsanlagen wurden für verschiedene Gebäudebereiche installiert – in erster Linie für die Versorgung der mechanischen Werkstatt, der Fertigungshallen und mehrerer Labore mit konditionierter Luft. Dazu kommt eine Tiefgarage, die mit einer maschinellen Rauch- und Wärmeabzugsanlage (MRWA) ausgerüstet worden ist. Für den Normalbetrieb wurde eine Abluftanlage mit CO2-Überwachung installiert. Die Zuluft wird über das Garagentor nachgeströmt. Ralph Stucki, der verantwortliche Projektleiter Lüftung, nennt eine spezifische Eigenheit der Ausführungsplanung: «Die Lüftungszentrale mit einer Höhe von ca. 8,5 m im Rohbau war eine spezielle Herausforderung.» Innerhalb der Lüftungszentrale wurden die Lüftungsgeräte (mit jeweils Breite 3,28 m, Höhe 2,58 m, Länge: 16,72 m) aufeinandergestellt. Jeweils drei Geräte wurden so als Einheit «gestapelt». Damit wurden die Platzverhältnisse optimal genutzt.
Anschliessend erfolgte die Installation von Stahlbauten zwischen den Lüftungsgeräten. Der Stahlbau wird als Zwischengeschosse genutzt. Dadurch wurde jeder Monobloc auf der Revisionsseite zugänglich. Speziell an der Aufgabe war zudem die baulich getrennte Führung und Behandlung der Zuluft und Abluft; die Wärmerückgewinnung wurde deshalb bei allen sechs Lüftungsanlagen über ein wassergeführtes Kreislaufverbundsystem gelöst. Für die Produktionsräume wird aus energetischen Gründen teilweise Umluft dem Luftbehandlungssystem zugeführt.
Materialisierung des Leitungsnetzes
Spezifische Eigenheiten des Projekts sind augenfällig: So wurde das gesamte Abluftleitungsnetz aus der mechanischen Fertigung aus PPs (Polypropylen – schwer entflammbar) ausgeführt. Die Materialisierung leistet Gewähr, dass der ölhaltige Emissionsnebel aus der mechanischen Fertigung effizient entfernt wird. Die Abluft wurde zusätzlich pro Maschine mit einem speziellen Filter bei der jeweiligen Maschine ausgerüstet.
Für die Abluftkanäle aus den Laboren waren PPs beziehungsweise PPs-eI (elektrisch leitfähig) das Material der Wahl für die Montage. Die Laborräume sind mit Kapellen ausgestattet. Aus diesen wird die Luft direkt über das Kunststoffkanalnetz abgesogen. Damit ist ein risikoarmes Arbeiten gegeben, indem sie mit Chemikalien verunreinigte Luft direkt am Ort der Entstehung entfernen.
Schliesslich waren bei der Lüftungsplanung explosionsschutzgefährdete Bereiche zu beachten. Diverse Laborräume verfügen deshalb über eine Sturmlüftung im Havariefall.
Heizen und Kühlen
Darüber hinaus realisierte das Hälg-Team die Heiz- und Kälteversorgung im gesamten Gebäude. Dazu gehören auch Maschinenkühlanschlüsse und Laborkühlleitungen ab bauseitigem Labor-Chiller. Es stehen drei Kältemaschinen/Wärmepumpen für die Heizung und Kühlung des Gebäudes und der industriellen Prozesse zur Verfügung. Je nach Anforderung werden diese kälte- oder wärmegeführt betrieben.
Übersteigt die Heizlast die Kühllast, wird die Verdampfungsenergie über die Erdsonden geholt. Im umgekehrten Fall wird überschüssige Energie aus der Kondensation an die Erdsonden oder via Rückkühler an die Umgebungsluft abgegeben.
Für Labore und Büros kamen moderne Heiz- und Kühlsegel sowie Deckenstrahlplatten in den Passerellen zum Einsatz, um sowohl Effizienz als auch Behaglichkeit sicherzustellen. Seit Jahresende 2024 hat die Bauherrschaft das neue Gebäude übernommen und hat darin Labortätigkeit und industrielle Fertigung gestartet.
*auf der Basis von Informationen aus dem Hälg-Jahresbericht 2024 sowie weiteren Recherchen.
Auf einen Blick
Wärme-/Kälteversorgung
- 3 Einheiten Kältemaschine/Wärmepumpe fürs Heizen und Kühlen des Gebäudes
- 1 kleinere Wärmepumpe fürs Trinkwarmwasser (34 kW Heizleistung), welche die Verdampfungsenergie ab Kältespeicher holt
- 2 Rückkühler; ausbaubar bis 6 Einheiten
- Wärmeleistung: ca. 1,35 MW
- Kälteleistung: ca. 2,1 MW
Luftversorgung
- 8 Lüftungs-Anlagen mit 16 Monoblocks
davon 3 für die Versorgung von 2 Stockwerken (Labor & Büroräume)
davon 1 für die Versorgung mechanische Fertigung
davon 1 für die Versorgung weitere Fertigungsräume
- 1 Tiefgarage mit maschineller Rauch- und Wärmeabzugsanlage (MRWA) sowie Abluftanlage für den Normalbetrieb
- 1 Umluftanlage
- Lüftungsvolumen: ca. 242’500 m3/h
Baubeteiligte
Bauherrschaft
Metrohm AG, Herisau
Ausführung HLK
Hälg & Co. AG, St. Gallen
HLKS-Fachplanung
Instaplan AG, Oberbüren
Impressum
Textquelle: Hälg-Jahresbericht
Bildquelle: Michael Huwiler
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
Informationen
Weitere Artikel
Veröffentlicht am:
