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«Du siehst auf der Baustelle, ob dein Plan taugt»

 

Nathalie Scheuble: «Ich finde es gut, dass meine Berufslehre in einem Unternehmen stattfindet, das plant und auch ausführt.»

Nathalie Scheuble (18) ist zur Zeit in der Berufslehre zur Gebäudetechnikplanerin Lüftung EFZ. Dank eines wiederholten Schuljahres hatte sie Zeit, in sehr viele Berufsfelder zu schnuppern, bis sie ihre überlegte Wahl traf.


Text: Manuel Fischer; Red. Bearbeitung: Phase5


Der Hauptsitz des auf Lüftungs- und Klimaanlagen spezialisierte Unternehmen Klimavent AG befindet sich in einem zu Büros umgewandelten, älteren Gebäude aus der Belle Epoque an einer Ausfallstrasse in Baden. Von 36 Beschäftigten lernen 3 Jugendliche den Beruf des Gebäudetechnikplaners /in EFZ Fachrichtung Lüftung. Nathalie Scheuble, eine davon, empfängt uns im Treppenhaus und führt uns durch die Büros, ebenso durchs Magazin im Untergeschoss. Im Sitzungszimmer – unter ausgebautem Schrägdach - sprechen wir über ihre Erfahrungen in der Berufslehre.

Du hast die Sekundarschule besucht. Mich würde interessieren, wie es zu deiner Berufswahl kam. Wer waren deine ‹Influencer›? Erwachsene aus deinem Umfeld?

Nathalie Scheuble: Ich bin eigentlich ganz selbstständig auf diesen Beruf gekommen. Am Anfang wusste ich noch gar nicht, was ich machen wollte.  Ich hatte insgesamt drei Jahre Zeit, um zu schnuppern, da ich ein Schuljahr wiederholt habe. Von möglichen Lehrberufen habe ich mir Bauzeichnerin, Malerin, Restauratorin, Architekturmodellbauerin näher angeschaut. Überdies war ich auch im Detailhandel – so konnte ich mir in sehr vielen Berufen einen Einblick verschaffen.

Was ist der Vorteil des intensiven Schnupperns?

Mit dem Schnuppern erfährst du auch, was dir nicht so gefällt.  So ist im Gesundheitsbereich der Kontakt mit Patienten ununterbrochen sehr intensiv.

Ohne Kundenkontakt geht es auch in deiner Branche wohl kaum..

Ja klar. Ich wollte trotzdem etwas, bei dem ich mich konzentrieren und auch gut alleine arbeiten kann. Die Abwechslung zwischen Technik, Planung und praktischer Arbeit hat mich hier beim Schnuppern sehr überrascht. Diese Kombination hat mir gefallen. Und in der Schule war ich schon immer gut in der Geometrie und in technischen Fächern.
Spannend finde ich: Was ich am Computer plane, sehe ich später auf der Baustelle entstehen.

Du kommst nun ins dritte Lehrjahr. Im Geschäft läuft es anders als in der Schule. Man sagt dir vielleicht, was du machen musst, aber gleichzeitig erwartet man selbständiges Denken und Handeln. Kannst du rückblickend schildern, wie du deinen Weg in den Berufsalltag gefunden hast?

Am Anfang war es schwieriger, weil man ständig nachfragen musste und kaum etwas selbständig erledigen konnte. Ich genierte mich manchmal, ständig fragen zu müssen. Das war für mich neu.

Erzähle uns von deinen Erlebnissen in den ersten beiden Lehrjahren. Welches Wissen und welche Methoden und Tools musstest du dir aneignen?

Prägend war sicher, dass ich immer mehr Verantwortung übernehmen konnte. Das Nachfragen ist am Anfang normal, aber mit der Zeit wurde ich selbständiger. Und man merkt mit der Zeit, dass man den angeeigneten Stoff aus der Berufsschule im Betrieb anwenden kann. Gerade bei den technischen Details war es am Anfang nicht einfach. Nur schon die vielen Normen, die man nachschauen muss: Wo finde ich was? Muss ich das überhaupt nachschauen? Weiss ich es schon auswändig? Am Anfang machte ich mir viele Notizen ins Formelbuch oder las in den Normen, obwohl das teilweise dicke Bücher sind.

Und die älteren Mitarbeitenden nehmen sich Zeit für dich?

Wie erwähnt: Ich hielt sie manchmal vielleicht etwas oft von ihrer Arbeit ab. Ich glaube aber, wir haben das zusammen sehr gut gemeistert….(lacht).

Nathalie Scheuble: «Gerade bei den technischen Details war es am Anfang nicht einfach. Nur schon die vielen Normen, die man nachschauen muss.»

Das verschafft einem sicherlich ein gutes Gefühl, wenn man sieht: Ich kann die gestellte Aufgabe selber meistern.

Am Anfang weisst du eigentlich noch gar nichts und startest bei Null. Es ist cool, wenn du irgendwann sagen kannst: Ich kann das. Und man ist auch etwas stolz, eine fertige Arbeit abgeben zu können.

Dann bist du inzwischen schon verantwortlich für Projekte?

Ja, ich plane nicht nur, sondern mache auch Kostenvoranschläge oder unterhalte mich mit den Ausführenden am Bau.

Faszinierend finde ich die Dimensionen gewisser Lüftungsanlagen. Geht dir das auch so?

Ja, das finde ich auch. Wasser siehst und hörst du. Das Wirken der Heizung spürst du. Aber die Luft siehst und spürst du in aller Regel nicht. Wenn du vor einer grossen Anlage stehst, denkst du: Habe ich da wirklich mitgewirkt?

Damit wären wir beim Baupraktikum, das jeden Moment ansteht. Freust du dich darauf?

Ich finde es megacool, draussen zu sein, auch wenn ich momentan noch nicht ganz so sicher bin, ob ich vor Ort wirklich eine grosse Unterstützung biete oder den Arbeitsfluss mehr bremse.

Was man im Baupraktikum an Erfahrungen lernt, hat wieder Auswirkungen auf deine Arbeit am Büroarbeitsplatz, nicht wahr?

Ja genau. Die Monteure führen das aus, was du planst. Und durch die Rückmeldungen von der Baustelle verstehst du vielleicht auch besser, wenn es ein Problem gibt. Wenn beispielsweise eine statische Stütze im Weg ist und der Kanal anders geführt werden muss, fliesst diese Erfahrung wieder in die Planung zurück. Es gibt Betriebe, die nur planen, und solche, die nur ausführen. Ich finde es gut, dass meine Berufslehre in einem Unternehmen stattfindet, das plant und auch ausführt. So kann ich sehen, was mit unseren Planungen geschieht, was funktioniert und was nicht.

Wie ist das Verhältnis unter Euch Lernenden?

Unter uns hatten wir eigentlich immer ein gutes Verhältnis, weil wir nicht viele sind. Wir haben alle das gleiche Ziel. In unserem Betrieb haben inzwischen zwei Lernende ihre Lehre abgeschlossen und zwei neue sind dazugekommen. Wir helfen uns gegenseitig.

Noch knapp zwei Jahre dauert es bis zum Lehrabschluss, dem Qualifikationsverfahren (QV). Hast du davor Respekt oder gehst du diesem Ereignis gelassen entgegen?

Ich habe schon ein wenig Respekt davor. Wenn ich von anderen höre, die gerade die Lehre abgeschlossen haben, sagen sie: «Man muss sich gut vorbereiten. Aber es ist möglich.»

Hat man dir schon eine Vorstellung vermittelt, wie das QV abläuft?

Es gibt verschiedene schulische Prüfungen zu absolvieren und einen praktischen Teil, bei denen man ein Projekt lösen und sauber abgeben muss. Danach gibt es noch ein Gespräch mit  QV-Experten. Dort geht es darum – wie ich hörte – zu erklären, wie man eine Aufgabe anpacken und lösen würde. Im Hause haben wir zwei Mitarbeiter, die auch schon in dieser Funktion waren und mich gut auf diese Situation vorbereiten.

Dir gefällt den gewählten Beruf offenbar sehr gut. Könntest du dir vorstellen, noch eine Weiterbildung anzuhängen?

Ich habe mir noch nicht so viele Gedanken dazu gemacht. Ich möchte sicher zuerst mehr Erfahrungen sammeln und selbst Wissen aneignen. Wenn die Zeit reif ist, kann ich mir gut vorstellen, noch die Technikerschule anzuhängen. Diese Möglichkeit lasse ich mir offen.

 

Nathalie Scheubles Berufswahl war bald getroffen: «Die Abwechslung zwischen Technik, Planung und praktischer Arbeit hat mich hier beim Schnuppern sehr überrascht.»

Gebäudetechnikplaner/in Lüftung EFZ

Kenntniserwerb

  • Kennenlernen der Bauteile und Funktionen (Umwandlung, Verteilung, Quellen) raumluft-technischer Anlagen
  • Planen energiesparender Lüftungs- und Klimaanlagen
  • Berechnen der Masse und Kosten der Anlagen
  • Überwachen der Montage und der Inbetriebnahme
  • Erstellen von Offerten und Materiallisten
     

Gute Voraussetzungen

  • Räumliches Vorstellungsvermögen
  • Freude an Zahlen, Interesse an Technik sowie Anspruch, genau zu arbeiten
  • Ausdauer, selbständiges Arbeiten, eine Prise Organisationstalent
  • Guter Umgang mit anderen Beteiligten am Bau

Der Weg zum Zertifikat

4 Jahre berufliche Grundbildung (inkl. Praktika im Magazin, in der Werkstatt und auf der Baustelle) mit jeweils einem Tag Berufsschule pro Woche. Zertifikat nach absolviertem Qualifikationsverfahren: Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis «Gebäudetechnikplaner/in Lüftung EFZ».
Ausbildungsschwerpunkte sind u.a. technische Fächer, aber auch Allgemeinbildung und Sport.
Für Jugendliche mit guten bis sehr guten Schulleistungen besteht die Option, die Berufsmaturitätsschule zu besuchen – während oder nach der schulischen Grundbildung mit der Zusatzqualifikation «Berufsmaturität».

Dauer der Lehre : 4 Jahre

Die praktische Ausbildung erfolgt in einem Betrieb für Lüftungsinstallationen oder in einem auf Lüftungstechnik spezialisierten Ingenieur- bzw. Planungsbüro.
Mehr Infos zu den zukunftsträchtigen Berufen der Gebäudetechnik:

www.toplehrstellen.ch

Lehrbetrieb

Nathalies Lehrbetrieb, die Klimavent AG mit Hauptsitz in Baden, ist ein traditionsreiches Schweizer Unternehmen im Bereich Lüftungs- und Klimatechnik. Seit der Gründung im Jahr 1977 bietet das Unternehmen umfassende Dienstleistungen in der Planung, Installation und Wartung von Lüftungs-, Klima- und Entfeuchtungsanlagen für private, gewerbliche und industrielle Kundinnen und Kunden an; mehr unter www.klimavent.ch

Diese Partner unterstützen die vorgestellten Berufsbilder

Adnan Hurtic

«Deine Zukunft»: Berufe der HLKS-Branche

Das ist die Landingpage rund um die HLKS-Berufsbildung. Phase5 und Branchenpartner engagieren sich hier für die Nachwuchsförderung.

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Impressum

Textquelle: Manuel Fischer

Bildquelle: Michael Donadel

Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5

Informationen

Firma
Küng Haustechnik Beinwil GmbH

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Veröffentlicht am: 13.10.2026

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