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Was bei der Solarmarkt-Sanierung wichtiger war als die PV-Fassade

Umbau sichtbar: Der neue Solarmarkt-Standort in Aarau verbindet sanierte Gebäudehülle, Photovoltaik auf Dach und Fassade sowie Ladeinfrastruktur zu einem praxisnahen Gesamtkonzept. Quelle: Solarmarkt
Umbau sichtbar: Der neue Solarmarkt-Standort in Aarau verbindet sanierte Gebäudehülle, Photovoltaik auf Dach und Fassade sowie Ladeinfrastruktur zu einem praxisnahen Gesamtkonzept. Quelle: Solarmarkt

Solarmarkt hat seinen Aarauer Standort umfassend saniert. Für Gebäudetechniker liegt das Lehrstück weniger in der PV-Fassade. Spannender ist, wie Wärme, Kälte, Lüftung und Lastmanagement in einem bestehenden Bau zusammenfinden.


Redaktionelle Bearbeitung: Phase5


Wer durch den neuen Solarmarkt-Standort in Aarau geht, läuft beim Eingang über Photovoltaik. Sie ist in den Boden eingelassen, in dieser Art ein Novum. An der Fassade hängen weitere Module, auf dem Dach liegt eine weitere Anlage. Soweit erwartbar bei einem Solar-Grosshändler, der zeigen will, was geht.

Aufschlussreicher für die Gebäudetechnik wird der Bau dort, wo man von aussen wenig sieht: an den Decken im Innern. Die Deckenelemente übernehmen mehrere Aufgaben gleichzeitig: heizen, kühlen, lüften, Schall absorbieren. Parallel nutzt das Gebäude die thermische Masse seiner Bausubstanz, damit sich Wärme und Kälte über den Tag besser verteilen.

Solche Lösungen kennt man im Neubau. In Aarau stecken sie in einem Bestand, der schrittweise umgebaut wurde, während die Mitarbeitenden weiterarbeiteten. Die Sanierung griff praktisch überall ein: Haustechnik, Wärme- und Kälteversorgung, Lüftung, Elektrik, Netzverstärkung, IT-Leitungen, Serverinfrastruktur, Energiemanagement, Sanitär, Fassade, Büroräume, Kantine, vierte Etage. CEO Rafael Stadelmann sagte am Medienanlass, die aufwendige Planung sei rückblickend ein wichtiger Entscheid gewesen. Sie ist eigentlich die Bedingung dafür, dass das Gebäude heute energetisch funktioniert.

Mehr als Dach-PV: Rafael Stadelmann, CEO von Solarmarkt, zeigte am neuen Standort in Aarau, wie Photovoltaik in unterschiedlichen Formen eingesetzt werden kann. Neben der Dachanlage wurden auch PV-Fassadenmodule und eine Solar-Bodenlösung realisiert.
Mehr als Dach-PV: Rafael Stadelmann, CEO von Solarmarkt, zeigte am neuen Standort in Aarau, wie Photovoltaik in unterschiedlichen Formen eingesetzt werden kann. Neben der Dachanlage wurden auch PV-Fassadenmodule und eine Solar-Bodenlösung realisiert.

Fernwärme und Fernkälte tragen den grossen Teil

Die Wärme- und Kälteversorgung kommt aus dem Eniwa-Netz, ergänzt um drei Monoblock-Lüftungen für den Luftwechsel. Damit kommt der Hauptanteil thermischer Energie aus dem Netz und nicht aus eigenen Erzeugern im Haus. Für die Energiebilanz ist das wichtiger als jedes Modul: Solarmarkt rechnet mit einer Einsparung von rund 15'000 Litern Öl, der CO₂-Ausstoss des Gebäudes sinkt gesamthaft um 77 Prozent, pro Kopf sogar um 95 Prozent. Pro Quadratmeter braucht das Gebäude für Wärme und Kälte rund 30 Prozent weniger Energie als vorher.

Diese Werte entstehen erst, wenn Gebäudehülle, Fenster, Lüftung, Fernwärme, Fernkälte, PV und Energiemanagement aufeinander abgestimmt sind. 514 neue Fenster verändern den Wärmebedarf und auch den sommerlichen Wärmeschutz, was die Anforderungen an Kühlung und Lüftung mitbestimmt. Solarstrom wird in dieser Logik erst dann nützlich, wenn er im Gebäude tatsächlich gebraucht wird, nicht nur gezählt.

PV wird Bauteil, nicht Aufsatz

An der Fassade ging es laut Stadelmann nicht um ein möglichst aufwendiges Einzelstück. Gearbeitet wurde mit einer überschaubaren Anzahl unterschiedlicher Modulgrössen statt mit vielen Sonderformaten. Das ist ein unscheinbares Detail, das den Unterhalt im Bestand planbarer macht. Gerade im Bestand zählt nicht die spektakulärste Variante. Es zählt die, die in zehn Jahren noch wartbar ist.

Die Boden-PV beim Eingang ist die ungewohnte Variante in diesem Trio. Sie zeigt, dass Photovoltaik künftig auch dort auftaucht, wo sie planerisch andere Fragen stellt: Sicherheit, mechanische Belastbarkeit, Niederspannung, Nutzung im Alltag. Solche Flächen sind nicht repräsentativ. Sie sind eher das, was kommt, wenn nicht jede Fläche optimal nach Süden zeigt.

In Summe produzieren die drei PV-Anlagen voraussichtlich 80'000 bis 90'000 kWh pro Jahr. Dem steht ein Stromverbrauch von rund 107'000 kWh gegenüber. Die Autarkiequote liegt nach Hochrechnung bei etwa 70 Prozent.

Kombiniert: Auf dem Dach treffen Photovoltaik und Begrünung zusammen. Solarmarkt nutzt dafür ein eigenes Montagesystem, das die Module auf dem Gründach trägt und gleichzeitig die Dachfläche für Retention und Biodiversität nutzbar lässt.
Kombiniert: Auf dem Dach treffen Photovoltaik und Begrünung zusammen. Solarmarkt nutzt dafür ein eigenes Montagesystem, das die Module auf dem Gründach trägt und gleichzeitig die Dachfläche für Retention und Biodiversität nutzbar lässt.

13 Ladestationen, 315 Ampere und die Frage nach der Spitze

Die Ladeinfrastruktur ist nicht nachträglich aufgesetzt, sondern Teil der Energieplanung. 13 Ladepunkte versorgen Mitarbeitende, Kunden und Lieferanten. Der Stromanschluss wurde dafür auf 315 A ausgebaut. Damit treffen im Betrieb PV-Erzeugung, Gebäudetechnik, IT und Elektromobilität am selben Anschluss aufeinander.

Genau dort entscheidet sich, ob das Gebäude effizient läuft oder die teuerste Lastspitze produziert. Lastmanagement und Energiemanagement sind nicht Komfortfunktion. Sie sind die Regelinstanz, die entscheidet, welcher Verbraucher wann Strom bekommt. Stadelmann skizzierte am Medienanlass, was als Nächstes geplant ist: ein passender Batteriespeicher, der Platz dafür ist baulich vorgesehen, und perspektivisch ein Zusammenschluss zum Eigenverbrauch oder eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft im Quartier. Stadelmann dazu: «Diesen wollen wir zukünftig auch netzdienlich einsetzen.»

Sobald das Quartier dazukommt, verschiebt sich die Frage vom Gebäude zur Betriebsstrategie. PV-Flächen, Speicher, Ladepunkte und mehrere Verbraucher gehören dann in eine gemeinsame Bewirtschaftung.

Nachhaltigkeit, die zählbar bleibt

David Galeuchet zeigte am Anlass, wie Solarmarkt die Sanierung in eine breitere Strategie einordnet. Vier Handlungsfelder, 37 KPIs. Für Gebäudetechniker ist daran weniger die Strategie interessant. Spannend ist der Anspruch, dass die Werte überhaupt gemessen werden. Im Gebäudealltag zählen am Ende Verbräuche, Lastgänge, Wartungsaufwand und die Frage, ob die berechnete Effizienz wirklich ankommt. Galeuchet formulierte es so: «Nur wenn man sich konkrete Ziele setzt, kann man auch einen Weg beschreiten.»

Messbar: David Galeuchet stellte die Nachhaltigkeitsstrategie von Solarmarkt vor. Im Zentrum stehen nicht nur Gebäude und Energie, sondern auch Lieferketten, Logistik, Mitarbeitende und konkrete Ziele, an denen sich Fortschritte messen lassen.
Messbar: David Galeuchet stellte die Nachhaltigkeitsstrategie von Solarmarkt vor. Im Zentrum stehen nicht nur Gebäude und Energie, sondern auch Lieferketten, Logistik, Mitarbeitende und konkrete Ziele, an denen sich Fortschritte messen lassen.

Was sich aus dem Fall mitnehmen lässt

Der neue Solarmarkt-Standort ist kein Mustergebäude für die Kopiervorlage. Es ist eine Sanierung mit den üblichen Bedingungen des Bestands: zwei Etappen, laufender Betrieb, viele Schnittstellen, ein paar offene nächste Schritte. Genau das macht ihn für Planerinnen und Installateure brauchbarer als ein Neubau auf der grünen Wiese.

Drei Beobachtungen tragen über den konkreten Fall hinaus. Wer PV im Bestand denkt, denkt zuerst die Hülle und die Haustechnik mit, weil die Module den grossen Energiebedarf nicht decken. Wer Ladeinfrastruktur einplant, braucht die Anschlussleistung und die Regellogik vor den Stationen, nicht danach. Und wer ein Gebäude effizient sanieren will, kommt um die Frage nach den Decken, der thermischen Masse und der Fernwärme nicht herum.

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Impressum

Bildquelle: René Senn / zVg

Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5

Informationen

www.solarmarkt.ch

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Veröffentlicht am: 08.06.2026

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