GebäudeKlima Schweiz ist der bedeutendste Schweizer Hersteller- und Lieferantenverband der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik. Die Mitglieder sind mehrheitlich Systemanbieter und unterhalten gesamtschweizerische Verkaufs- und Servicenetze. Als «Stimme der Gebäudetechnik-Industrie» bringt GebäudeKlima Schweiz die Meinung der Industrie zu aktuellen Themen in die politische Diskussion mit ein, verhandelt mit Behörden und Verbänden, engagiert sich für optimale Rahmenbedingungen für die Schweizer Gebäudetechnik-Industrie, übernimmt eine wichtige Rolle in der Aus- und Weiterbildung und wird durch den branchenübergreifenden Austausch unter den Mitgliedern zu einem wichtigen Innovations- und Kompetenzzentrum.
Trotz wieder gestiegener Absatzzahlen ist die Schweizer Heizungsindustrie unter Druck. Ein Grund dafür ist der schleppende Wärmepumpenabsatz, erklärt René Schürmann, Präsident von GebäudeKlima Schweiz. Der Verband der Schweizer Hersteller und Lieferanten der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik setzt sich deshalb für klare Vorgaben ein.
Quelle: GebäudeKlima Schweiz
René Schürmann, 2025 wurden wieder 13 Prozent mehr Wärmeerzeuger verkauft als im Vorjahr. Zurückzuführen ist das jedoch vor allem auf fossile Wärmeerzeuger, während der Wärmepumpenabsatz stagnierte.
Tatsächlich kam es 2025 erneut zu einem starken Zuwachs bei den fossilen Wärmeerzeugern, auch wenn sich die absoluten Zahlen weiterhin auf tiefem Niveau bewegen. Ausschlaggebend waren hier wohl vor allem Kantone, in denen der Einbau von fossilen Systemen ab 2026 mehrheitlich verboten ist oder bald schon verboten sein wird. Da wurde vielerorts im letzten Moment noch ersetzt.
Wieso setzt sich die Wärmepumpe nicht durch?
Das stimmt so nicht ganz: Bei Neubauten ist die Wärmepumpe heute Standard. Aber im Renovationsbereich hapert es noch. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Da wäre zum einen der preisliche Aspekt: Ein Systemwechsel zu einer Wärmepumpe ist teurer, als erneut eine Gasheizung einzubauen. Gleichzeitig haben sich die Energiepreise verschoben: Gas ist nicht mehr so knapp, wie man zu Beginn des Ukrainekriegs befürchtet hatte.
Die Strompreise jedoch sind seither gestiegen. Und nicht zuletzt ist ein Wechsel zur Wärmepumpe im Bestand oft komplex, von baulichen Anpassungen bis hin zu Bewilligungen. Das alles schreckt viele ab beziehungsweise bewegt dazu, abzuwarten.
Sehen Sie die Zukunft trotzdem in der Wärmepumpe?
Absolut! Schwierig abzuschätzen ist der Einfluss der Fernwärme. Ansonsten sehe ich aber keine Alternative zur Wärmepumpe. Zumindest aktuell nicht – man weiss nie, was die Zukunft bringt. Die Frage, die die Branche beschäftigt, ist jedoch: Wann findet der Wechsel statt?
Was ist Ihre Prognose?
Das ist schwierig zu sagen. Für 2026 sehe ich den Aufschwung noch nicht. Ich denke, da werden wir uns im gleichen Umfang bewegen wie 2025. Auch das hat mehrere Gründe. Da sind die neuen Kältemittelvorgaben, die ab 2027 in Kraft treten und vieles nochmals komplexer machen.
Vielleicht führt genau das aber auch zu einem Aufschwung, weil einige vorher noch wechseln möchten. Hinzu kommt die Unsicherheit bei den Fördermitteln. Zu einer Marktverzerrung dürfte auch die Abschaffung des Eigenmietwerts führen: Was wollen Hausbesitzende vorher noch sanieren? Hat das vielleicht sogar einen kurzfristigen Aufschwung mit anschliessender Baisse zur Folge? Oder genau das Gegenteil?
Marktzahlen GebäudeKlima Schweiz
Der Branchenverband GebäudeKlima Schweiz erfasst regelmässig Absatzzahlen und vergleicht die Entwicklungen. 2025 entwickelten sich die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr wie folgt:
Kessel Öl/Gas: + 65,5 %
Brenner: + 34,8 %
Holz: - 16,6 %
Wärmepumpen: - 1 %
Total Wärmeerzeuger + 13,3 %
Solar: - 9 %
Wassererwärmer: - 5,5 %
Was bedeuten diese Unsicherheiten für die Hersteller und Lieferanten von Wärmepumpen?
Ich könnte mir vorstellen, dass es in Europa in nächster Zeit zu einer Konsolidierungswelle in der Heizungsindustrie kommt. In der Schweiz wurden bis vor zehn Jahren jährlich über 60'000 Heizungen verkauft, anschliessend gingen die Zahlen etwas zurück, lagen aber noch immer zwischen 50'000 und 60'000. 2024 kam es dann zu einem Einbruch um über 10'000 Anlagen, vor allem bei den Wärmepumpen.
Das konnten die fossilen Anlagen allein letztes Jahr nicht auffangen. Entsprechend angespannt ist die Lage für Hersteller und Lieferanten von Heizungstechnik insgesamt. Auch weil vor wenigen Jahren europaweit noch ein Ausbau der Wärmepumpenproduktion gefordert wurde. Also investierten viele unserer Mitglieder in Produktionskapazitäten, die nun nicht voll ausgenutzt werden. Gleichzeitig steigt die Konkurrenz aus Asien. Und dann gibt es immer mehr Vorschriften. Die forcierte Umstellung auf natürliche Kältemittel beispielsweise erforderte erneut grosse Investitionen in die Entwicklung neuer Produkte.
Das könnte übrigens für die Schweiz noch etwas ganz anderes zur Folge haben: Die hierzulande sehr beliebte innenaufgestellte Luft-Wasser-Wärmepumpe ist eine Schweizer Eigenheit. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese für europäische Hersteller unter den gegebenen Umständen weiter lohnen wird.
Wie kann GebäudeKlima Schweiz, als bedeutendste Schweizer Hersteller- und Lieferantenvereinigung der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik, ihre Mitglieder in dieser Situation unterstützen?
Es braucht klare Verhältnisse, damit unsere Branche Planungssicherheit hat. Natürlich lässt sich ein Markt nie voraussagen. Wir sind aber zum Beispiel mit dem Bund daran, die Übergangsfristen bei den Kältemitteln sowie beschlossene Ausnahmen möglichst verlässlich zu konkretisieren, damit unsere Mitglieder wissen, woran sie sind. Oder wir haben mit Partnerverbänden Merkblätter entwickelt, um die Komplexität bei der Installation von Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln möglichst zu reduzieren. Und in unseren Fachgruppen erarbeiten wir gemeinsame Verbandsrichtlinien, um einen Branchenstandard zu haben, an dem sich alle orientieren können.
Das macht GebäudeKlima Schweiz ja nicht nur bei den Wärmepumpen. 2025 wurde etwa auch die Fachgruppe Übergabestationen definitiv ins Angebot aufgenommen.
Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen zur Fachgruppe aus der Branche erhalten und gesehen, dass das wirklich ein Bedürfnis ist. Ein Ort, an dem sich Hersteller und Lieferanten von Übergabestationen austauschen und von der technischen Seite her Standards definieren können, um Klarheit zu schaffen und gemeinsam vorwärts zu kommen.
Auf welche weiteren Neuerungen 2025 blickt GebäudeKlima Schweiz zurück?
Eine grosse Neuerung war natürlich der Wechsel der Geschäftsstelle: Das Team von AMKplus und Marco von Wyl als GKS-Geschäftsleiter haben sich super eingearbeitet, alle Beteiligten arbeiten sehr gut zusammen, und wie bei einem solchen Wechsel üblich hat sich auch eine neue Dynamik entwickelt, aus der sich neue Chancen ergeben.
Zum Beispiel?
Wir haben bereits 2025 unter anderem die Zusammenarbeit mit einigen Partnerverbänden weiter intensiviert: Dort, wo es für unsere Interessen als Hersteller und Lieferanten Sinn macht, wollen wir gemeinsame Ressourcen noch stärker nutzen. Daneben ist GebäudeKlima Schweiz auch den Bildungsbereich angegangen, den wir regelmässig an die Bedürfnisse unserer Mitglieder anpassen wollen und müssen. Hier geht der Weg aktuell hin zu einem noch stärkeren modularen Aufbau des Angebots, um den vielen unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Daran werden wir 2026 intensiv weiterarbeiten. So können unsere Mitglieder ihre Fachkräfte möglichst gezielt und effizient aus- und weiterbilden. Denn trotz angespannter Lage: An der Qualität unserer Arbeit darf sich nichts ändern!
GebäudeKlima Schweiz
Impressum
Textquelle: GebäudeKlima Schweiz
Bildquelle: zVg
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
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