Der 19-jährige Ilyas Abdi Jama ist im vierten Jahr seiner Ausbildung zum Heizungsinstallateur EFZ. Neben handwerklichem Geschick zeigt er Interesse und Motivation. Das macht ihn in seinem Lehrbetrieb, der Schmidt AG in Luzern, zu einem wertvollen und beliebten Teammitglied.
Text: Béatrice Koch / Fotos: Ethan Oelman
Wir treffen den angehenden Heizungsinstallateur Ilyas Abda Jama und seinen Berufsbildner Adem Selimi in den Räumlichkeiten der Schmidt AG am Rand der Luzerner Altstadt. Vor gut 60 Jahren gegründet, wird der Familienbetrieb heute in dritte Generation von Bianca Schmidt geführt und deckt sämtliche Dienstleistungen in den Bereichen Sanitär und Heizung ab. Zu den Kunden gehören private Eigenheimbesitzer ebenso wie gewerbliche Grosskunden in der Stadt Luzern und der Region Zentralschweiz. Die Schmidt AG beschäftigt aktuell rund 80 Mitarbeitende, darunter zehn Lernende.
Der 19-jährige Ilyas steht im vierten Jahr seiner Ausbildung zum Heizungsinstallateur EFZ. Nachdem er die ersten drei Jahre seiner Lehrzeit in einem kleinen Betrieb im Kanton Luzern verbracht hatte, wechselte er aufgrund seines Umzuges fürs letzte Lehrjahr in die Stadt zur Schmidt AG, wo er mit offenen Armen empfangen wurde. «Ilyas ist sehr motiviert und arbeitet selbstständig», lobt Berufsbildner Adem Selimi, der mit seinen 26 Jahren nicht viel älter ist als sein Lernender. Adem Selimi hat in seiner eigenen Lehrzeit bei einem anderen Arbeitgeber nicht nur gute Erfahrungen gemacht: «Ich spürte wenig Unterstützung und musste mir vieles selbst erarbeiten.» Umso wichtiger ist es ihm heute, den jungen Menschen Vertrauen zu schenken: «Ein Lernender darf auch Fehler machen, ohne dass er deswegen Ärger bekommt. Wir geben unseren Auszubildenden schon früh klare Aufgaben und Verantwortung, begleiten sie aber eng.»
Ilyas, wusstest Du schon in der Schule, dass Du Heizungsinstallateur werden möchtest?
Ilyas Abdi Jama: Nein, diesen Beruf hatte ich damals nicht auf dem Radar. Ursprünglich wollte ich Mediamatiker lernen, weil ich gerne Videos erstellt habe und mich digitale Technologien allgemein interessieren. Während einer Mediamatiker-Schnupperlehre habe ich aber gemerkt, dass mir ein handwerklicher Beruf mehr zusagt. Ich habe noch mehrere Berufe ausprobiert, unter anderem Automechaniker und Anlagen- und Apparatebauer. Das Handwerkliche gefiel mir zwar, dass man meist in der Werkstatt arbeitet, fand ich hingegen weniger toll. Mein Oberstufenlehrer hat mir schliesslich eine Schnupperlehre als Heizungsinstallateur empfohlen. Das hat für mich perfekt gepasst, weil ich in diesem Beruf einerseits mit den Händen arbeiten kann und andererseits viel herumkomme und immer auf neuen Baustellen bin.
Du hast den Grossteil Deiner Ausbildung bereits hinter Dir. Was gefällt Dir besonders gut an dem Beruf?
Ich arbeite sehr gerne mit den Händen, vor allem das Schweissen mag ich sehr gerne. Mir gefällt es, dass ich am Ende des Tages sehe, was ich geleistet habe. Spannend finde ich auch den Wandel zu den erneuerbaren Heiztechnologien, der aktuell stattfindet. Der Umgang mit den Gas- und Ölanlagen gehört immer noch zum Lernstoff, davon sind ja immer noch viele in Betrieb. Gleichzeitig dürfen bei Neubauten nur noch nachhaltige Heizsysteme wie Wärmepumpe, Erdwärme und PV-Anlage installiert werden.
Gibt es etwas, das Dir nicht so zusagt?
Der Einstieg in die Berufswelt war nicht ganz einfach. Der Alltag als Schüler ist ganz anders als der als Lernender in einem Betrieb. Da musste ich zuerst ankommen. Aber das geht wahrscheinlich allen so. Heute ist vieles einfacher für mich. Vom Team fühle ich mich gut aufgenommen und wertgeschätzt, und die Berufsbildner unterstützen uns Lernende immer.
Jetzt, im vierten Lehrjahr, kann ich weitgehend selbstständig arbeiten und darf Verantwortung übernehmen. Kürzlich durfte ich zum Beispiel bei einem Umbau in der Stadt Luzern ein komplettes Stockwerk selbst ausführen. Das heisst, ich fasste am Morgen den Auftrag, besorgte sämtliches Material und Werkzeug selbst und setzte den Plan für die Heizungsanlage selbstständig um. Speziell war ausserdem, dass ich Schnupperlernende auf die Baustelle mitnahm und ihnen den Plan und die Umsetzung erklärte. Das war auch für mich eine gute Übung, weil ich so meine Vorgehensweise prüfen konnte.
Haben sich Deine Erwartungen an die Lehre erfüllt?
Sie wurden sogar übertroffen. Ich rechnete nicht damit, dass ich während der Lehrzeit schon so viel selbst erledigen darf. Schliesslich ist die Installation einer Heizung nicht einfach, da kann einiges schieflaufen. Aber wenn man als Lernender gut mitmacht und Interesse zeigt, wird einem in diesem Betrieb auch Vertrauen geschenkt, und man darf rasch eigene Ideen mitbringen und umsetzen. Mir passt das gut, denn ich arbeite gerne selbstständig und möchte zeigen, dass ich es gut kann. Mein Ziel ist immer, die Arbeit tipptopp zu erledigen.
Was muss Deiner Meinung nach jemand mitbringen, der Heizungsinstallateur werden möchte?
Man muss sicher Spass haben an der handwerklichen Arbeit. Der Beruf ist körperlich anstrengend, und der Tag fängt schon um sieben Uhr morgens an. Ausserdem braucht es ein gewisses Verständnis für Mathematik. Wobei sich das bei mir eigentlich auch erst in der Berufsschule gezeigt hat, als ich wusste, wofür ich lernte.
Du wirst die Lehre in ein paar Monaten abschliessen. Wie nervös bist Du?
Ein wenig nervös bin ich vor den Abschlussprüfungen natürlich schon, es geht ja um viel. Aber ich weiss, dass ich die Prüfungen bestehe, wenn ich mich gut vorbereite. Mein Lehrbetrieb hilft mir dabei, stellt mir zum Beispiel zum praktischen Üben alte Prüfungsaufgaben zur Verfügung. Ausserdem finden jede Woche Lernateliers statt, wo wir Lernende Fragen stellen können.
Wie geht es nach dem Lehrabschluss für Dich weiter?
Ich möchte sicher noch ein bis zwei Jahre hier im Betrieb weiterarbeiten. Anschliessend werde ich wahrscheinlich eine Weiterbildung zum Heizungsplaner oder Chefmonteur starten.
Adem Selimi, jeder Ausbildungsbetrieb wünscht sich einen motivierten «Stift» wie Ilyas. Wie wählen Sie Ihre Lernenden aus?
Adem Selimi: Wichtig ist zunächst das Bewerbungsdossier mit Schulzeugnisse, Lebenslauf und einem Motivationsschreiben. Authentische, selbst verfasste Texte werden in Zeiten von ChatGPT besonders positiv bewertet. Die wichtigste Entscheidungsgrundlage ist aber die Schnupperwoche. Sie dient dazu, Motivation, Verhalten und Teamfähigkeit der Lernenden zu beurteilen. In einem kurzen Eignungstest am Ende der Schnupperwoche prüfen wir das räumliche Vorstellungsvermögen und weitere schulische Grundkompetenzen.
Man hört oft, dass es Handwerksbetriebe schwer haben, Lehrstellen zu besetzen und gute Nachwuchskräfte zu finden. Wie ist das bei der Schmidt AG?
Gute Bewerbungen sind nicht selbstverständlich und treffen nicht wöchentlich ein. Wir sind deshalb auf verschiedenen Kanälen aktiv. Wir tauschen uns eng mit den Lehrpersonen der Berufsschule aus, nehmen an Berufsmessen teil und sind auf Online-Plattformen wie Yousty präsent. Das hilft bei der Suche, aber die Situation bleibt herausfordernd. Die körperliche Belastung schrecken wohl viele Jugendliche ab. Dabei haben diese Berufe eine Zukunft; in den Bereichen Heizung und Sanitär gibt es jedenfalls mehr als genug Arbeit.
Heizungsinstallateur/in EFZ
Kenntniserwerb
- Bau, Unterhalt, Reparatur von wärme- und kältetechnischen Installationen
- Montage von Heizkesseln und Wärmepumpen anhand von Plänen
- Umsetzen von Projekten mit Erneuerbaren Energien
- Dämmen von Rohrleitungen gegen Wärmeverluste
- Einbau von Umwälzpumpen
Ansprache
Aktuelle Berufsbildungs-Kampagnen legen den Schwerpunkt auf die vielfältigen und attraktiven Perspektiven im Berufsbild. Jugendliche erreicht man unmittelbar in der Du-Form; Neugier sollte geweckt, Unsicherheit vor dem Unbekannten abgebaut werden.
Ausbildungs-Schwerpunkte wie Werkstoffkunde, Physik, Fachzeichnen, Chemie, Informatik und Allgemeinbildung werden erwähnt, ergänzt durch Hinweise zu Dauer der Ausbildung, zum eidg. Fähigkeitsausweis «Heizungsinstallateur/in EFZ» und zur Option Berufsmaturität.
Als Voraussetzung wird eine abgeschlossene Volksschule genannt.
Ausbildung allgemein
4 Jahre berufliche Grundbildung mit Arbeiten vorwiegend in der Werkstatt und auf der Baustelle vorwiegend unter Dach mit jeweils einem Tag Berufsschule pro Woche. Die Fächer sind vielfältig: Wärmelehre, Werkstoffe, Strömungslehre, Messen – Steuern – Regeln, Heizungssysteme, Heizungswasser, Arbeitssicherheit usw.
Zertifikat nach absolviertem Qualifikationsverfahren: Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis «Heizungsinstallateur/in EFZ».
Für Jugendliche mit guten bis sehr guten Schulleistungen besteht die Option, die Berufsmaturitätsschule zu besuchen – während oder nach der schulischen Grundbildung mit der Zusatzqualifikation «Berufsmaturität».
Mehr unter: www.toplehrstellen.ch
Impressum
Textquelle: Béatrice Koch (Pressebüro Kohlenberg)
Bildquelle: Ethan Oelman Photography
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
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