Nach mehr als 20 Jahren auf Baustellen in der Innerschweiz stellte sich Werner Walker mit Mitte 30 einer neuen Herausforderung: der Meisterprüfung. Die Fortbildung verlangte ihm viel ab, bereitete ihn aber auf neue Führungsaufgaben vor.
Text: Beatrice Koch, Fotos: Ethan Oelman
Mit ihrer blau gestrichenen Fassade ist die G. Bosshard AG am Dorfeingang von Altdorf kaum zu übersehen. Vor fast 80 Jahren als Spenglerei gegründet, hat sich der Betrieb im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich weiterentwickelt und sein Angebot ausgebaut. Heute ist das Familienunternehmen – laut Geschäftsführer Pascal Bosshard mit drei Generationen gleichzeitig im Betrieb – in den Bereichen Sanitär, Heizung, Solaranlagen, Spenglerei und Bedachung tätig und deckt damit die gesamte Haustechnik sowie die Gebäudehülle ab. Ergänzt wird der Handwerksbetrieb durch die G. Bosshard Immobilien AG, die als Generalunternehmung mit eigenem Architekturbüro ein breites Spektrum an Immobilien abdeckt.
Werner Walker ist in Flüelen aufgewachsen und kam vor über 20 Jahren als Lehrling zur Firma. Nach dem Abschluss seiner Lehre zum Sanitärinstallateur EFZ im Jahr 2006 wechselte er in einen anderen Betrieb, um neue Perspektiven zu gewinnen und bei der G. Bosshard AG nicht als «ewiger Lehrling» zu gelten, wie der heute 38-Jährige sagt. Bereits nach einem halben Jahr kehrte er jedoch in seinen Ausbildungsbetrieb zurück – und ist ihm bis heute treu geblieben. Nach vielen Jahren als Installateur und später als Chefmonteur auf Baustellen in der Innerschweiz wagte er kürzlich mit der Weiterbildung zum diplomierten Sanitärmeister den nächsten beruflichen Schritt.
Werner Walker, du hast 2006 Ihre Grundbildung abgeschlossen, und die Prüfungen zum Chefmonteur liegen auch schon mehr als zehn Jahre zurück. Im Frühling 2024 hast du Höhere Fachprüfung zum Sanitärmeister abgelegt. Wie war es, nach so langer wieder die Schulbank zu drücken?
Werner Walker: Sehr anstrengend und herausfordernd. Das Schulische bereitete mir weder in der Lehre noch in der Ausbildung zum Chefmonteur Mühe, daher bin ich wohl zu blauäugig an die Weiterbildung zum Sanitärmeister herangegangen. Nach der ersten Woche habe ich mir überlegt, ob ich diesen Weg wirklich gehen möchte. Wir behandelten Themen wie Fachrechnen und Wasserchemie, die für mich sehr komplex waren. Natürlich hat sich auch die Technik seit meinem letzten Lehrgang weiterentwickelt. Kommt hinzu, dass ich parallel zur Weiterbildung weiterhin 100 Prozent im Betrieb gearbeitet und dort neue Aufgaben im Büro übernommen habe. Zudem musste ich die Theorie aus der Weiterbildung zum Chefmonteur auffrischen. Insgesamt ist da viel Neues auf mich zugekommen.
Aber du hast es durchgezogen und die Meisterprüfung als einer der Besten Ihres Jahrgangs bestanden. Wie hast du dich neben einem vollen Arbeitspensum organisiert?
Das ging nur dank einem guten Zeitmanagement und der richtigen Prioritätensetzung. Meine Freizeit und mein eigenes Wohlbefinden musste ich in diesen anderthalb Jahren zurückstellen, An den meisten Abenden und Wochenenden musste ich lernen. Geschafft habe ich das mit viel Disziplin und der Unterstützung von meiner Partnerin, meiner Familie und des Betriebs.
Der Suissetec-Campus liegt in Lostorf, wo der Kurs stattfand, von Altdorf aus auch nicht gerade um die Ecke.
Ich hatte das Glück, dass ich während der Unterrichtszeit bei Bekannten, die in der Nähe des Campus wohnen, übernachten konnte. Ausserdem ist der Unterricht in Modulblöcke aufgeteilt, die zwei bis drei Wochen dauern. Mir hat das gut gepasst, weil ich mich dann jeweils ganz auf den Unterricht beziehungsweise ganz auf meine Arbeit im Betrieb konzentrieren konnte.
Wie kam es zum Entschluss, 20 Jahre nach dem Lehrabschluss, doch noch die Meisterprüfung zu absolvieren?
Im Vordergrund stand die Nachfolgeregelung unserer Abteilung: Der Leiter wurde pensioniert, und sein Nachfolger wird in ein paar Jahren ebenfalls in Pension gehen. Ich bin seit 2013 Chefmonteur und Berufsbildner mit Führungsaufgaben und habe schon einige Grossbaustellen geleitet. Es war also der nächste logische Schritt, dass ich mich darauf vorbereite, in naher Zukunft selbst die Leitung der Abteilung Sanitär zu übernehmen. Allerdings arbeitete ich 20 Jahre hauptsächlich auf der Baustelle. Die Weiterbildung zum Sanitärmeister mit eidgenössischem Diplom vermittelte mir die nötigen theoretischen Grundkenntnisse, die es für die Funktion des Abteilungsleiters braucht. Ein weiterer Faktor ist das Alter: Die körperliche Arbeit auf der Baustelle ist anstrengend, und je älter man wird, desto mehr spürt man das.
Kann man dich noch auf einer Baustelle antreffen?
Nur noch selten, an Bausitzungen, Kontrollen und wenn «Not am Mann ist». Ich bin heute tatsächlich fast ausschliesslich im Büro. Das sind zwei verschiedene Welten, aber ich habe mich inzwischen gut in meine neue Rolle eingewöhnt. In der Abteilungsleitung sind wir nur zu zweit, jeder macht alles: Projekte leiten, Offerten erstellen, Serviceaufträge organisieren. Die Arbeit auf der Baustelle fehlt mir nicht.
Was hat dir an den Kursen besonders gefallen? Und womit hattest du Mühe?
Wie bereits gesagt, war die Weiterbildung für mich herausfordernd. Es gab kein Fach, das ich so nebenbei erledigen konnte. Manche Themen wie etwa das Modul Buchhaltung waren für mich komplett neu. Ich habe nicht vor, einen eigenen Betrieb zu eröffnen, daher war dieses Thema für mich persönlich nicht so zentral – auch wenn es natürlich trotzdem hilfreich ist, einen Einblick in die Geschäftsführung zu erhalten. Als besonders bereichernd empfand ich den Austausch mit den Lehrern und den anderen Lernenden, von denen die meisten deutlich jünger waren als ich. Ich war der Zweitälteste in meiner Klasse, aber das hat mich nicht gestört. Es war spannend zu erleben, wie jeder seine eigenen Denk- und Lösungsansätze in den Unterricht einbrachte. Am besten gefallen hat mir das Projektieren gegen Schluss des Lehrgangs. Dort konnte man alle Fachbereiche miteinander verbinden.
«Die Weiterbildung war herausfordernd. Es gab kein Fach, das ich so nebenbei erledigen konnte.»
Werner Walker, eidg. dipl. Sanitärmeister
Nun liegt die Meisterprüfung bereits mehr als ein Jahr zurück. Welche Vorteile hat die Weiterbildung für deinen beruflichen Alltag gebracht?
Es war mir wichtig, dass ich die Kenntnisse, die ich als Abteilungsleiter benötige, nicht einfach «on the job», sondern von Grund auf selbst erlerne. Das gibt mir Sicherheit und Selbstvertrauen. Mein Wissensstand hat sich durch den Lehrgang deutlich vergrössert, v.a. was Berechnungen oder Administration angeht. Zu meinen wichtigsten Lernerfahrungen gehört aber, wie ich mit Stress umgehen und unter Druck Leistung erbringen kann. Die Weiterbildung hat aber nicht nur mir, sondern auch dem Betrieb etwas gebracht. Die Firma profitiert meiner Meinung nach enorm, wenn Mitarbeitende sich weiterbilden und neue Impulse mitbringen. Es ist immer ein gegenseitiges Lernen.
Hat Dich der Arbeitgeber in der Weiterbildung unterstützt?
Fortbildungen werden gefördert und finanziell unterstützt. Allerdings muss man für die unterrichtsbedingten Abwesenheiten unbezahlte Zeit in Anspruch nehmen.
Mich hat das nicht gestört. Es war im Gegenteil ein Ansporn, den Lehrgang möglichst rasch durchzuziehen.
«Der Unterricht auf dem Campus ist in intensive Modulblöcke aufgeteilt. Mir hat das gut gepasst.»
Hat dich das Lernfieber gepackt, ist bereits die nächste Weiterbildung geplant?
Nein, es ist noch nichts Konkretes geplant. Vorerst konzentriere ich mich darauf, das Gelernte im Betrieb anzuwenden und noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Und am Ball zu bleiben, denn unsere Branche ist derzeit in einem schnellen Wandel. Es gibt regelmässig neue Richtlinien und Verordnungen und als Folge davon ändern sich auch die Sanitärsysteme. Auch kommen ständig neue Designs, zum Beispiel bei Armaturen, auf den Markt. Da darf man nicht stehen bleiben.
Höhere Berufsbildung
Sanitärmeistermeister/-in mit eidg. Diplom
Sanitärmeister leiten einen Installations-Betrieb der Sanitärbranche oder übernehmen in einem grösseren Unternehmen eine Führungsfunktion. Sie akquirieren Aufträge, erstellen Offerten, führen die Mitarbeitenden, pflegen den Kundenkontakt und sind für die gesamte Auftragsabwicklung verantwortlich.
Ziele der Weiterbildung
- Dieser berufsbegleitende Bildungsgang richtet sich an Berufsleute, die ihre Fachkenntnisse erweitern und sich auf die Führung eines Unternehmens oder eines Geschäftsbereiches vorbereiten wollen.
- Das Bestehen des Bildungsganges (inkl. höherer Berufsprüfung) führt zum eidgenössischen Diplom (Meisterprüfung).
Zulassung zur Abschlussprüfung
Bei Prüfungsantritt erforderlich:
- Eidg. Fachausweis als Chefmonteur/in Sanitär sowie mind. 4 Jahre Berufspraxis in der Sanitärbranche
- Nachweis der erforderlichen Modulabschlüsse.
Dauer / Daten
- Der Bildungsgang dauert rund 1,5 Jahre bis 2 Jahre
- Der Bildungsgang ist modular aufgebaut.
- Die Module werden je nach Anbieter in Ausbildungsblöcken von 2 bis 3 Wochen oder fixen Wochentagen (z. B. Freitag und Samstag) angeboten.
- Der Studiengang umfasst ca. 630 Lernstunden plus Modulprüfungen. Bei den Zeitangaben handelt es sich um Richtwerte in Stunden. Nicht eingeschlossen ist zusätzlicher Aufwand der Teilnehmenden für Selbststudium, Prüfungsvorbereitung und dem Verfassen der Diplomarbeit.
Kosten
siehe www.suissetec.ch/de/sanitaermeister-in.html
Bildungsanbieter suissetec Campus
Beginn nächster Bildungsgang: 07. Dezember 2026
Ende des Bildungsgangs: 25. November 2027
Abschlussprüfung: März 2028
www.suissetec.ch > Bildung > Weiterbildung > Höhere Berufsbildung >Sanitärmeister/-in HFP
Weitere Anbieter
www.gibb.ch > Weiterbildung > Gebäudetechnik > Sanitärmeister/in HFP
www.stfw.ch > Angebot > Gebäudetechnik > Eidg. Diplome > Sanitärmeister/in
Impressum
Textquelle: Béatrice Koch
Bildquelle: Ethan Oelman
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
Informationen
Weitere Artikel
Veröffentlicht am:
