Albina Zuta steht kurz vor dem Abschluss ihres Bachelorstudiums Gebäudetechnik & Energie an der HSLU mit der Studienrichtung Gebäude-Elektroengineering. Sie bezeichnet sich als neugieriger Mensch und ist überzeugt, dass interdisziplinäres Planen unsere Gebäude besser und nachhaltiger machen. Und: Frauen in technischen Berufen sollten nicht die Ausnahme bleiben.
Text: Beatrice Koch, Fotos: Ethan Oelman
Albina Zuta empfängt uns in den modern eingerichteten Räumlichkeiten der EBP Schweiz AG in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Stadelhofen in Zürich. Seit Anfang Jahr arbeitet die gelernte Elektroplanerin für das international tätige Ingenieurunternehmen, vorerst in einem 60-Prozent-Pensum. Daneben bereitet sie sich auf den Abschluss ihres Bachelorstudiums in Gebäude-Elektroengineering (GEE) an der Hochschule Luzern vor, der einzige Studiengang in der Schweiz, der auf Elektrofachleute in der Baubranche zugeschnitten ist. Dieses theoretische Wissen möchte sie in den kommenden Jahren bei ihrer Arbeitgeberin einbringen und vertiefen. Dass bei der EBP Fachleute aus allen Bereichen der Gebäudetechnik – Heizung, Klima, Lüftung, Sanitär – unter einem Dach arbeiten, empfindet sie als Vorteil: «Diese Interdisziplinarität vereinfacht den Austausch, wenn man gemeinsam an einem Projekt arbeitet.» Auch sonst fühlt sie sich an ihrem neuen Arbeitsplatz wohl: «Wir sind ein junges Team, die Stimmung ist gut.» Das helfe, auch die mühsamen Phasen, die es in jedem Projekt gebe, mit Freude zu überstehen. «Unser Beruf ist Teamarbeit.»
Albina Zuta, mit 27 hast Du bereits eine Lehre zur Elektroplanerin EFZ, eine Weiterbildung zur Technikerin Energie und Umwelt HF sowie ein Bachelorstudium in Gebäude-Elektroengineering an der Hochschule Luzern abgeschlossen. Was treibt Dich zu den Weiterbildungen an?
Albina Zuta: Ich bin ein neugieriger Mensch und lerne sehr gerne, auch die Theorie. Aber ich muss zugeben, dass mich das Studium an der HSLU schon mehr gefordert hat, als erwartet. Die Weiterbildung in Energie- und Umwelttechnik HF an der ABB Technikerschule habe ich direkt nach der Lehre neben einem 90-Prozent-Arbeitspensum absolviert. Für das Bachelorstudium musste ich viel mehr Zeit investieren. Auch Fächer wie Mathe, Elektrotechnik und Physik werden an der Hochschule vertiefter behandelt. Alles, was ich in diesen Fächern an der HF gelernt hatte, wurde in den ersten zwei Wochen des Bachelorstudiums repetiert. Dann ging es schon los mit neuen Inhalten.
Nun sind Frauen in technischen Berufen immer noch in der Minderheit. Wie kamst Du zurecht?
Im Berufsalltag habe ich wenig schlechte Erfahrungen gemacht, eher in der Berufsschule während der Lehre. Als einzige Frau in der Klasse wurde ich manchmal mit dem Vorurteil konfrontiert, dass Frauen angeblich ein vermindertes technisches Verständnis haben. Dabei hatte ich bereits in der Schule in Mathe und Geometrie immer viel bessere Noten als zum Beispiel in Französisch. Letztlich haben mich diese Erfahrungen aber selbstbewusster gemacht. Ich habe früh gelernt, mich durchzusetzen. Ich denke aber, dass künftig mehr Frauen den Weg in technische Berufe finden. Seit Kurzem bin ich auch als Prüfungsexpertin tätig und sehe, dass heute schon mehr Frauen eine technische Ausbildung wählen als noch vor zehn Jahren, als ich selbst noch in der Lehre war.
Die HSLU betont die einzigartige Interdisziplinarität des Studiengangs «Gebäudetechnik & Energie» mit den beiden Studienrichtungen HLKS und GEE. Wie erlebst du diese im beruflichen Alltag?
Die Interdisziplinarität erlebe ich im Alltag sehr stark, da moderne Gebäude nur funktionieren, wenn alle Fachrichtungen eng zusammenarbeiten. Besonders spannend finde ich, dass man nicht nur die eigene Disziplin versteht, sondern auch die Anforderungen und Denkweisen der anderen Gewerke nachvollziehen kann. Dadurch entstehen bessere, effizientere und nachhaltigere Gesamtlösungen.
Wie kannst du dich in die Probleme z.B. einer Lüftungsführung hineinversetzen?
Durch das Studium habe ich gelernt, technische Zusammenhänge ganzheitlich zu betrachten. Auch wenn ich aus dem Elektrobereich komme, verstehe ich die Anforderungen einer Lüftungsführung, beispielsweise am Platzbedarf oder an der Zugänglichkeit, und auch bezüglich Auswirkungen auf andere Installationen.
Wann waren deine HLKS-Kollegen und -Kolleginnen schon mal froh um deine Inputs in einem Projekt?
Gerade bei Kollisionsprüfungen oder in engen Steigzonen ist der Austausch sehr wertvoll, weil man gemeinsam Lösungen finden muss. Meine Inputs waren beispielsweise bei der Koordination von Trassenführungen, der Integration von Gebäudeautomation oder bei Energie- und Lastbetrachtungen hilfreich. Umgekehrt profitiere ich genauso stark vom Wissen der HLKS-Planenden. Genau das macht die Zusammenarbeit spannend.
Wie hilft dir das interdisziplinäre Verständnis konkret in Sitzungen oder bei der Projektkoordination?
Das interdisziplinäre Verständnis hilft mir vor allem dabei, Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Gewerken früh zu erkennen und in Sitzungen gezielt mitzudenken. Teilweise nehme ich alleine an Projektsitzungen teil und muss dabei nicht nur die Elektrothemen vertreten, sondern auch die Anforderungen meiner HLKS-Kollegen im Hinterkopf behalten.
Was denkst Du, welche Entwicklungen werden Deine Arbeitswelt in den nächsten zehn Jahren prägen?
Unsere Gebäude werden immer mehr elektrifiziert, das wird sich noch weiter in die Richtung entwickeln. Gebäude-Elektroingenieure befassen sich mit allem, was mit Strom zu tun hat: von der Energieversorgung und Verteilung über Licht und Photovoltaik bis hin zu E-Mobilität und Gebäudeautomation. Gebäude werden immer mehr zu einem vernetzten System, und die Gebäudeautomation spielt bei dieser Vernetzung eine immer grössere Rolle, auch im Hinblick auf eine energetische und ressourcenschonende Betriebsoptimierung. Und natürlich macht die Künstliche Intelligenz auch vor unserem Beruf nicht Halt. Sie ist nützlich für wiederkehrende Arbeiten. Ich habe zum Beispiel im Studium mithilfe von KI ein Tool entwickelt, um Lastprofile zu analysieren und auszuwerten. Dieses Tool kann ich immer wieder adaptieren und wiederverwenden. Aber es braucht weiterhin Leute, die ein Ingenieurstudium absolvieren, um zu beurteilen, ob die Resultate überhaupt Sinn ergeben. Am Ende müssen trotzdem wir die Verantwortung übernehmen.
Wo siehst Du Dich selbst in zehn Jahren?
Zunächst möchte ich das theoretische Wissen, das ich mir im Studium angeeignet habe, in der Praxis anwenden und weiter vertiefen. Längerfristig kann ich mir auch eine Führungsposition vorstellen. Ich übernehme gerne Verantwortung, arbeite aber gleichzeitig gerne im Team. Ich mag es, andere zu motivieren.
«Durch das Studium habe ich gelernt, technische Zusammenhänge ganzheitlich zu betrachten.»
Albina Zuta, Bachelor of Science in Gebäudetechnik & Energie (vor dem Abschluss)
Hochschule Luzern / Dept. Technik & Architektur
Bachelor of Science in Gebäudetechnik | Energie (Studienrichtungen)
- Heizung-Lüftung-Klima-Sanitär (HLKS)
- Gebäude-Elektroengineering (GEE)*
Hslu.ch > technik-architektur > studium > bachelor > gebaeudetechnik-energie
*GEE: Das Gebäudetechnik-Studium Studienrichtung Gebäude-Elektroengineering (GEE) richtet sich an Elektrofachpersonen, die in der Baubranche eine leitende Funktion ausüben möchten und mit ihrem Wissen Gebäude effizient und optimal nutzbar machen wollen. Die besonderen Fähigkeiten der Elektroinstallateurinnen, Elektroplaner, Gebäudeautomatiker, Telematikerinnen und Gebäudeinformatiker sind sehr gefragt und werden im Studium berücksichtigt. Bau- und planungsorientierte Fächer stehen im Zentrum der Ausbildung.
Studiendauer
- Vollzeit: 6 Semester
- Berufsbegleitend: 8 Semester
Tätigkeitsfelder
- Elektroplanung
- Energieversorgung
- Spezialisiertes Engineering (Beleuchtung, Sicherheit, Kommunikation)
- Gebäudeautomation
- Beratung im Bereich Gebäudetechnik und Energie
- Mitarbeit bei der Gesamtoptimierung von Bauwerke
Die Absolventinnen und Absolventen arbeiten nach erfolgreichem Abschluss zum Beispiel als Ingenieur für Elektroplanung oder als Ingenieurin mit Spezialisierung in Beleuchtung, Sicherheit, Kommunikation oder Gebäudeautomation.
Zulassungsbedingungen
Zum Studium zugelassen werden Bewerberinnen und Bewerber mit einer technischen Berufsmatura (Deutschland: Fachhochschulreife) mit anerkannter einschlägiger Berufsausbildung oder mit einer gymnasialen Matura mit Praktikum. Zugelassen werden zudem auch Personen mit einem HF-Abschluss in einem einschlägigen Bereich. Weitere wichtige Hinweise zu den Zulassungsbedingungen zum Studium sind unter folgendem Link zu entnehmen:
Impressum
Textquelle: Béatrice Koch
Bildquelle: Ethan Oelman
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
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