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Praxisnahe Lösungen, datenbasierte Steuerung und politische Leitplanken rücken bei der Wärmewende enger zusammen. Der Fachanlass in Bern macht sichtbar, wie sich thermische Netze konkret planen, betreiben und skalieren lassen.


Redaktionelle Bearbeitung: Phase5


Am 5. März 2026 trafen sich im Forsthaus Bern rund 100 Fachleute aus Energieversorgung, Planung, Industrie und Politik zum «FernwärmeImpuls». Die von der Hoval Schweiz AG organisierte Veranstaltung bot eine verdichtete Standortbestimmung zur Transformation der Wärmeversorgung in der Schweiz.

Von der Strategie zur Umsetzung: Wärmenetze als Rückgrat

Die Beiträge aus kantonaler und städtischer Perspektive machten deutlich, dass die Wärmewende stark von regulatorischen Rahmenbedingungen abhängt. Diese definieren nicht nur Ziele, sondern schaffen auch Investitionssicherheit.

Am Beispiel der Stadt Bern wurde sichtbar, wie strategische Vorgaben in operative Massnahmen übersetzt werden. Bis 2045 soll die Wärmeversorgung klimaneutral werden. Der Umbau basiert auf dem Ausbau erneuerbarer Wärmenetze, dem Rückbau grosser Teile der Gasinfrastruktur und der Umstellung auf erneuerbare Gase.

Gerade für Fachplaner und Energieversorger zeigt sich hier ein klarer Trend: Thermische Netze entwickeln sich zum zentralen Infrastrukturbaustein der urbanen Energieversorgung.

 

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Modulare Energiezentralen: Geschwindigkeit und Flexibilität im Ausbau

In der praktischen Umsetzung gewinnen modulare Systeme an Bedeutung. Containerbasierte Energiezentralen ermöglichen eine standardisierte Planung und eine beschleunigte Realisierung von Projekten.

Mobile Heizzentralen erweitern diesen Ansatz. Sie lassen sich temporär in bestehende Netze integrieren und übernehmen Aufgaben bei Erweiterungen oder Sanierungen. Dadurch entstehen flexible Übergangslösungen, die Investitionsrisiken reduzieren und gleichzeitig Versorgungssicherheit gewährleisten.

Für die Praxis bedeutet das: Wärmenetze können schrittweise wachsen, ohne dass sofort vollständige Infrastrukturen bereitstehen müssen.

Digitale Wärmenetze: Vom Betrieb zur Optimierung

Ein entscheidender Hebel liegt in der Digitalisierung. Moderne Leittechnik verbindet Energiezentralen, Netze und Gebäude zu einem integrierten System. Dadurch lassen sich Betriebszustände in Echtzeit erfassen und steuern.

Darauf aufbauend ermöglichen digitale Zwillinge eine neue Qualität der Analyse. Sie bilden reale Netze datenbasiert ab und erlauben Prognosen sowie modellprädiktive Steuerung. Kennzahlen wie Kosten pro Megawattstunde, Netzauslastung oder Erneuerbarkeitsanteil werden damit nicht nur sichtbar, sondern aktiv steuerbar.

Gerade für Betreiber und technische Leiter entsteht daraus ein klarer Mehrwert: Effizienz, Transparenz und Versorgungssicherheit lassen sich gleichzeitig verbessern.

 

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Sektorkopplung: Integration statt Insellösungen

Die Diskussion zeigte zudem, dass Wärmenetze zunehmend im Kontext eines vernetzten Energiesystems gedacht werden. Die Kopplung von Strom, Wärme und Mobilität eröffnet zusätzliche Flexibilität, etwa durch die Integration von Wärmepumpen, Speichern oder Wasserstofflösungen.

Politisch stehen dabei Fragen zu Investitionsmodellen, Tarifstrukturen und technologischer Offenheit im Zentrum. Entscheidend ist, dass Systeme frühzeitig zusammengedacht werden, weil nur so skalierbare und resiliente Infrastrukturen entstehen.

Fazit: Wärmewende als Systemaufgabe

Der FernwärmeImpuls in Bern verdeutlicht eine zentrale Entwicklung: Die Wärmewende ist längst keine rein technologische Herausforderung mehr. Sie entwickelt sich zu einer Systemaufgabe, in der Infrastruktur, Daten und Regulierung eng verzahnt sind.

Der Austausch zwischen Akteuren aus Praxis, Industrie und Politik bleibt deshalb ein zentraler Treiber für die Umsetzung tragfähiger Lösungen.

 

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