«Die Zahl Null heisst nicht ‘wenig’ oder ‘ein bisschen’. Null ist eine brutale, eine harte Zahl», eröffnet Nationalrat und Präsident der GLP Jürg Grossen sein Impulsreferat anlässlich der gemeinsam organisierten Lieferantentagung der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz FWS und des Vereins Gebäudeklima Schweiz GKS. Null CO2, null Atomstrom, null Abhängigkeiten – das ist das Energieziel 2050, notabene bei steigender Bevölkerungszahl und Wirtschaftswachstum.
Andreas Stettler, Red. Bearbeitung: Phase5
Ist die Energiewende technisch machbar? Ist sie zeitlich realistisch? Und ist sie bezahlbar? Diese drei zentralen Fragen stellt Jürg Grossen gleich zu Beginn. Sie sind gerade jetzt brisant, da sich kurzfristig wieder vermehrt Ölheizungen breitmachen und die Wärmepumpenverkäufe 2025 leicht rückläufig waren (ca. 1 %). Anhand von BFE-Zahlen zeigt sich entgegen weitläufigen Annahmen ein sinkender Gesamtenergieverbrauch seit 20 Jahren. Dabei spielen laut Grossen u.a. die Wärmepumpen eine wesentliche Rolle, wie auch die Elektromobilität und die Gebäudesanierung. Der gesamte Stromverbrauch ist in derselben Zeit gleich geblieben, während der Ölverbrauch noch einen Drittel dessen ausmacht, was in den 80er-Jahren verbraucht wurde.
Alles gut also? Die Abhängigkeit vom Ausland, sprich von Öl, Gas und Uran, beträgt immer noch 68 %, oder anders ausgedrückt: 22 von 36 Mia Franken werden für fossile und nukleare Energieproduktion ausgegeben.Die Wintermonate werden bei weitgehender Elektrifizierung eine Herausforderung bleiben, aber eine lösbare. Dass sich die Verbesserung der Effizienz bewährt, zeigt der stabile Stromverbrauch über die letzten 20 Jahre, trotz Bevölkerungswachstum (+1,5 Mio.), Elektrifizierung der Heizungen, E-Mobilität und mittlerweile 100 grossen Datenzentren.
Viel mehr PV- und Windstrom möglich
2024 produzierte die Schweiz 81 Terawattstunden Strom, ein Allzeit-Rekord dank viel Niederschlag; verbraucht wurden jedoch «nur» 58 TWh. Die Solarstromproduktion hat sich innert drei Jahren von 4.1 auf 8.2 TWh verdoppelt, ihr Anteil Stroimverbrauch beträgt aktuell 14 %. Eine komplette E-Mobilität würde gemäss der «Roadmap Grossen» bis 2050 zwar zu einem Verbrauchsanstieg führen. Allerdings kann über die nächsten 25 Jahre duetlich mehr ausgebaut werden – PV- und Windanlagen – als der Verbrauch wächst. Der Überschuss wird dereinst die Abschaltung der Atomkraft kompensieren.
Wasserschloss – Stromschloss?
Die Schweiz spielt historisch eine zentrale Rolle beim Aufbau des kontinental-europäischen Stromnetzes. Es gilt als die grösste synchron betriebene Maschine der Welt. «Ein Wunder, dass so etwas überhaupt funktioniert», sagt Grossen. Das Stromabkommen mit der EU macht die Versorgung sicherer und günstiger als «weiter wie bisher», ist der Nationalrat überzeugt, und plädiert deshalb für ein klares Ja zu den Bilateralen III. Jeden Tag wird Strom im Umfang von rund der Hälfte des Schweizer Verbrauchs exportiert – und importiert. Aber nicht Kohlestrom wie oft behauptet wird, sondern Wind- und Solarstrom zu tiefen Preisen primär aus Deutschland; selbst dann, wenn genügend Solar- und anderer erneuerbaren Strom vorhanden ist. Bei hohen Preisen wird dann wieder exportiert. Der Gewinn aus der Differenz ist ein gewolltes ökonomisches Modell, das vorteilhaft ist. Gleichzeitig aber zu behaupten, wir hätten zu wenig Strom, geht für Grossen nicht auf.
Wir schaffen das
Der Stromverbrauch im Gebäude wird künftig mit Wärmepumpen und Ladestationen für E-Autos dutlich zunehmen, deshalb wird die gleichzeitige Effizienzsteigerung zentral sein. Dazu beitragen wird das Gebäude als Kraftwerk, was wiederum weniger teuren Netzausbau erfordert. Technisch, zeitlich und finanziell ist die Energiewende bis 2050 möglich. Das bestätigt gemäss Jürg Grossen auch eine Kostenstudie der ETH. Dadurch werden Komfort, Sicherheit und Umweltschutz gleichzeitig gefördert. Wärmepumpen leisten einen sher wichtigen Beitrag zur Zielerreichung.
Impressum
Textquelle: Andreas Stettler (im Auftrag von "Phase5")
Bildquelle: Jürg Grossen
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
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