Sarina Schärer packt gerne an, sei es im Ringen als Sportart oder in ihrem Beruf als Sanitärinstallateurin, die sie gerade erlernt. Für die Lehrstelle musste sie nicht lange suchen. Das hat auch etwas zu tun mit dem Lehrbetrieb, der viel in die Qualität der Berufslehre investiert.
Text: Manuel Fischer; Red. Bearbeitung: Phase5
An einem Frühlingsmorgen im Freiamt erwacht die Natur; die Obstbäume blühen. Am Hang zum lang gezogenen Lindenberg liegt die Gemeinde Beinwil. Rund 1300 Personen leben in fünf kleinen Wilern, die meisten in der Hauptsiedlung Beinwil. Auf der Fahrt aus Richtung Merenschwand und Benzenschwil gelangen Ortsunkundige zuerst ins Unterdorf, Hier sind – etwas verstreut – die Büros und Werkstätten der Küng Haustechnik Beinwil GmbH zu finden.
Es herrscht ein emsiges Hin und Her, denn neben einem älteren Wohnhaus mit Gewerbenutzung klafft eine Baugrube. Genau hier entsteht der neue Firmensitz des Unternehmens, das dieses Jahr sein dreissigjähriges Bestehen feiert. Die von Senior Marcel Küng gegründete Firma wird von Sohn und Nachfolger Kilian geleitet; insgesamt fünf der Küngs arbeiten aktiv im Betrieb mit – ein echtes Familienunternehmen eben.
Chef Kilian Küng setzt grossen Wert auf berufliche Grundbildung; ganze acht der 35 Mitarbeitenden sind in einer Berufslehre zum Sanitärinstallateur oder Sanitärinstallateurin EFZ. Wir haben einen Termin bei Sarina Schärer; eine der acht Lernenden. Eine Büroangestellte ruft sie von der Baustelle und schon steht sie vor dem Eingang. Sarina, 18 Jahre jung, unbeschwert, locker lässt uns im Pausenräumli des Teams Platz nehmen fürs Gespräch. Sie ist bereits im dritten Lehrjahr und meint rückblickend auf ihre Berufswahl: «Ich hatte schon immer ein bisschen zu viel Energie. So gesehen war klar, dass ich etwas Handwerkliches machen möchte.»
Sie lebt im Dorf, wo sie arbeitet. Ein langer Suchprozess ging der Berufswahl nicht voran. «Wir», und damit meint sie die Familie, «kannten den Seniorchef von früher. Er war quasi unser Nachbar.» Und so ergab sich aus der Bekanntschaft den ersten Schritt in die Berufswelt: «Dann hatte ich ihn mal gefragt, ob ich schnuppern darf. Und dann hat es mir einfach sehr gut gefallen.» Im den letzten beiden Bezirksschuljahren streifte man öfters das Thema Berufe und Berufswahl; doch die meisten Optionen seien für sie nicht in Frage gekommen, ebenso wenig der Wunsch ihrer Patin, es doch als Coiffeuse zu versuchen.
Stolz aufs Tagwerk
Das beherzte Anpacken liegt offenbar in der Familie. Ihr Vater betreibt ein Transportgeschäft. «Wir haben immer viel mit den Händen gearbeitet und waren als Kinder viel draussen.» Das Bauen ist immer noch primär eine Männerwelt. Sie fühlt sich aber gut akzeptiert, auch wenn manche noch ein traditionelles Rollenbild im Kopf hätten und fragten, wieso sie auf einer Baustelle anzutreffen sei. «Andererseits, wenn ich mit einem schweren Gegenstand zu laufen komme, nehmen sie mir es oft ab.» Sagt sie mit Augenzwinkern, denn sie ist nicht eine, die sich scheut vor Gewichten und sich als Sport das Ringen ausgesucht hat.
In der Berufsschulklasse waren es zu Beginn vier junge Frauen, wie sie erzählt; was – ohne genau zu rechnen – wohl weit über dem Landesdurchschnitt liegt. Inzwischen sind es nur noch zwei, übrigens beide aus demselben Lehrbetrieb. Toll findet sie, wenn man auf das eigene Tagwerk stolz sein kann. Die Tricks und Kniffs ihres Handwerks üben und perfektionieren die Lernenden in der betriebseigenen Werkstatt.
Was denkt sie über ihre berufliche Zukunft? Denn zu wenig Junge wollen sich in der Baubranche qualifizieren; zu wenig gute Leute, ergo mehr Zeitdruck auf der Baustelle. Sie fühlt sich gut vorbereitet auf später: «Ich habe das Gefühl, dass es nach der Lehre dann schon noch ein wenig strenger wird. Aber unsere Vorgesetzten bereiten uns in der Lehre darauf vor.»
Lehrabschluss und danach
Bereits konnte sie bei grösseren Bauprojekten wichtige Erfahrungen sammeln, so etwa in Rottenschwil, wo drei Mehrfamilienhäuser entstanden sind. Da war alles dabei – vom Einlegen von Leitungen in der Grundplatte über die Steigleitungen, dann die Rohmontage der Vorwandinstallationssysteme bis hin zur Endmontage der Sanitärapparate. Es gibt nichts, was sie gar nicht gerne macht, dasselbe gilt für den Schulstoff. Typische Fächer sind AVOR, Physik, Abwasserentsorgung, Kalt- und Warmwasserversorgung und manches mehr: «Ich könnte jetzt nicht sagen, was mir nicht so Spass macht.»
Sarina ist hinsichtlich des Lehrabschlusses guten Mutes; das Qualifikationsverfahren liegt in anderthalb Jahren in Reichweite. Sie wagt einen Blick in die Zukunft danach: «Nach der Lehre möchte ich wahrscheinlich in zwei, drei Jahren weiterarbeiten und etwas Geld verdienen. Der Chef hat auch schon mit mir über die Zukunft gesprochen. Aber genaue Vorstellungen habe ich noch nicht. Ich kann mir gut vorstellen, eine Weiterbildung zu machen.»
Raphael von Flüe arbeitet als Projektleiter bei der Küng Haustechnik Beinwil GmbH und betreut die Lernenden im Betrieb. Er erklärt uns die zusätzlichen Aufwendungen, welche das Unternehmen stemmt, damit die Lernenden ihre Berufsbildung erfolgreich abschliessen.
Interview: Manuel Fischer
Bei der suissetec-Sektion Aargau geniesst ihr Unternehmen bezüglich Berufsbildung einen guten Ruf, da keine Lehrabbrüche zu vermelden sind. Welches Erfolgsrezept wenden Sie an?
Raphael von Flüe: Bevor wir eine Lehrstelle vergeben, kommen interessierte Jugendliche zweimal in unseren Betrieb zum Schnuppern. Dadurch lernt man die einzelnen besser kennen. Zudem schauen wir die Zeugnisnoten an. Unser Beruf umfasst viele Fächer, da geht es auch um Mathematik und so. Und wenn dort jemand schon ziemlich Mühe bekundet, wird es schwieriger, die Berufslehre erfolgreich abzuschliessen. Da die Berufslehre von drei auf vier Jahren erweitert wurde, gibt es auch mehr Stoff zum Lernen. Dadurch ist die schulische Seite der Ausbildung etwas intensiver geworden.
Es mag einen Unterschied sein, ob man in einem urbanen Umfeld oder in einer ländlichen Region junge Leute für eine Berufslehre im Gebäudetechnik-Bereich gewinnen will.
Viele kommen aus der unmittelbaren Umgebung. Das Geschäft kennt deren Eltern oder umgekehrt. Und nicht wenige Jugendliche in unserer Region mit Bezirksschule-Abschluss sind bereit, eine Lehrstelle zu suchen. Das schulische Niveau, das sie mitbringen ist generell höher als bei Sekundar- oder Realschülern. Ich sage aber nicht, dass man ein Bezirksschul-Abschluss haben muss, um diese Lehre zu bestehen.
Wie unterstützt das Unternehmen eine gelingende Ausbildung der Jugendlichen?
Die Branche jammert zu oft, wir hätten zu wenig gute Leute. Für uns sind die Jugendlichen nicht billige Arbeitskräfte; der Chef investiert viel in die Ausbildung. Alle zwei Monate rufen wir Betriebsausbildner die Jugendlichen am Samstagmorgen in den Betrieb für zusätzliches Lernen. Das heisst: Sie können auswählen, ob sie etwas Praktisches perfektionieren oder Schulstoff repetieren wollen, welches sie dann mit uns besprechen können.
Ausserdem gehen wir als Ausbildungsauftakt mit unseren Lernenden des ersten Lehrjahres ins Wallis, wo sie Grundfertigkeiten lernen können wie beispielsweise PEx-Rohrschweissen oder das Verhanfen. Aber es geht auch um das Beibringen sozialer Kompetenzen: Wie trete ich bei unseren Kunden auf? Das ist uns wichtig.
Und Lernende beim Übertritt vom dritten ins vierte Lehrjahr nehmen wir auch in die Intensivwoche mit. Die haben dann die Gelegenheit, sich fürs Qualifikationsverfahren vorzubereiten.
Impressum
Textquelle: Manuel Fischer
Bildquelle: Ethan Oelman
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
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